Donnerstag, 4. Januar 2007

Merkels Reha


Sei es das Ratequiz, bei dem man ein undefinierbares Geräusch raten könnte, was zuvor schon mindestens tausend andere Idioten nicht geschafft haben und deshalb eine unerhört erfreuliche Summe im sogenannten Jackpot auf Erlösung wartet und man schnell gemerkt hat, auch mit Abitur und abgebrochenem Hochschulstudium wird man nie darauf kommen, was da so gequietscht haben könnte.
Sei es das unwillige Erstaunen am frühen Morgen, dass im Klassikkanal um 7 Uhr und fünzehn Minuten Zwölftonkompositionen für Orgel und Bratsche von 1955 erschallen, während im Popsegment American Hardcore Geschrammel aus den 90ern läuft, was eher an den Klang des Einsatzes einer Abrissbirne in der Fussgängerzone erinnert und auf der Schlagerwelle billige Fernsehfilm Marschmusik erklingt, zu der Marika Röck gerne Paprika geschnitten hätte.
Wer bleibt bei so etwas am Radio?
Trotzdem nichts gegen das nicht visuelle Medium, es erleichtert, weil es der Imagination Spielraum gibt und insofern wesentliche Grausamkeiten des deutschen Fernsehprogrammes unsichtbar lässt und man sich einbilden kann was einem so gerade einfällt.
Bei manchen Persönlichkeiten des Zeitgeschehens kann die Imagnation allerdings die Wirklichkeit noch um Längen an Grausamkeit und Entsetzen überragen.
So geschehen, bei der Neujahrsansprache, ja, nein, nicht des Bundespräsdenten, doch, die der Bundeskanzlerin, welche an Sylvester ausgestrahlt wurde und in sofern eine verfrühte Neujahrsansprache darstellte, die eigentlich eine Sylvesteransprache gewesen sein dürfte.
Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, BRD, dies wird heute im allgemeine mit Deutschland übersetzt, so wie USA zu Amerika werden und das Vereinigte Königreich der Niederlande zu Holland...
Angela Merkel, ertönt mit leicht freudiger Intonation in seltsam langsamen Sprachduktus, der befürchten lässt, dass sie Opfer eines Schlaganfalles im Bundetag wurde und nun nach mehr oder weniger erfolgreicher Reha immer noch vorsichtig und sehr langsam, aber was für ein Glück, fehlerfrei wieder sprechen gelernt hat.
Angela M. also erzählt mir und den andern zugeschalteten Bundesbürgern, dass Alles alles in allem ganz anders ist, als die Allgemeinheit es sieht und im Besonderen, dass das, was man als gesellschaftliche und persönliche Lebensverschlechterung der letzten Monate erfahren musste eigentlich ausserordentliche Lebensverbesserungen sind, die sie als Bundekanzlerin in kürzester Zeit und vehementer Nachdrücklichkeit und mit politischer Verve auf den Wege gebracht hat.
Die Verbesserung der Arbeitsmarktlage beglücke uns genauso, wie das Überangebot an Lehrstellen in vorzeigbaren Traumberufen, der phantastische Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft erhelle unsere Gemüter, immer mehr Firmen gingen weniger schnell pleite und die erquicklichen Unternehmensgewinne verzauberten unser Sozialwesen in dem die Eigenverantwortung gerade für Familien mit Kindern gefördert würde, der Staat könne ja auch nicht überall sein und die für den einzelnen gestiegenen steuerlichen Belastungen machten den Wirtschaftsstandort Deutschland durch die steuerlichen Entlastungen für Wirtschaftsunternehmen wieder attraktiver, Arbeitsplätze würden deshalb wieder im Inland geschaffen, wo die Konditionen denen im Ausland mindestens durch hilfreiche Leiharbeitsagenturen angeglichen wurden und wo die EU doch nun grösser geworden ist, stünde einer allgemeinen Nivellierung nach unten nichts im Wege. Der Osten ist gross.
Der Fussball hat es Angela M. angetan und sie wünscht sich, dass wir alle das gute rotschwarzgold Gefühl, welches sie während der WM in Deutschland verspüren konnte, bewahren mögen, um mit Engagement unsere Kindern in eine kindergarten- und pisafreie Zukunft zu geleiten, in der Integration ausländischer Mitbürger keine blossen Lippenbekenntnisse von Menschen bleiben, die in schönen Villenvororten leben und ihre Kinder nachmittags rein profilaktisch mit dem Jeep zum Flötenunterricht bringen, nein, sie wünsche sich Bürger, die auch mal das Handy ausschalten könnten um sich zu besinnen und darüber nachzudenken, wie sie bei der nun bald ansteigenden Mehrwertsteuer noch telefonieren und gleichzeitig Esse einkaufen könnten. Ein Handy aus deutschen Produktionsstandorten dürfte eher unwahrscheinlicherweise dabei sein, die schönen, aber technisch ziemlich unterbelichteten Geräte einer in München ihren Hauptsitz habenden Firma, wird nun erst recht niemand mehr kaufen, die Sparte ist seit Sylvester insolvent.
Bin ich nach dieser langsamen Ansprache, welche ein wenig an den telefonischen Bestell-Service der deutschen Bahn erinnerte, „nein, nein, ich meinte nicht ja!“, nicht mehr so ganz von der Unversehrtheit meiner Ich-Existenz überzeugt, womöglich bin ich ja doch eine Drohne im allgemeinen Wir-Wollen-Kaufen-Kollektiv-Deutschland ?
Dann werde ich wohl bald Pollen sammeln gehen müssen um sie Angela M. vor die Füsse zu kotzen, das ist echter Glaube an den Fortschritt der Regierungparteien, Wachswaben, die schmelzen und eierlegende Königinnen, die etwas reproduzieren, was man politsche Frechheit gepaart mit Blindheit für die Realität nennen muss.
Nur was kann man von einer Politikerkaste erwarten, die mit üppigem Einkommen ausgestattet in wohlbehüteten Verhältnissen kultiviert vor sich hin lebt, zwischen Büro, Sitzungssaal, Einsternerestaurant und einem komfortabel umgebauten Sommerfrischedomizil in immer neuen Wagen der mindestens gehobenen Mittelklasse hin und her pendelt und wenn überhaupt nur durch Lobbyisten verschiedener Wirtschaftszweige belästigt wird, die z.B. das Verschieben der in fast ganz Europa verbreiteten Rauchverbote im öffentlichen Raum für Deutschland mithilfe ihrer Engelsgeduld durchzusetzen wissen oder aber die Position der Pharmaindustrie, egal welche Form die sogenannte Gesundheitsreform annehmen sollte, immer besser als zuvor und als alle anderen Betroffenen dastehen lässt.
Da wird die Reinstallierung der gründlich durchgefallenen Europäischen Verfassung wohl ein nettes Ziel für Angela M., nette Essen und nette Reisen zu und mit ausländischen Kollegen, die genauso wie sie eines nicht wollen: wirklich etwas bewegen, nein sie wollen lieber alles so ähnlich lassen wie bisher, schliesslich muss man seine ganze Kraft für den nächsten Wahlkampf aufsparen, das wichtigste im Leben eines Politikers, die Versicherung seinen Job im allgemeinen, inklusive einer Menge von Vergünstigungen, Privilegien und Prämien fortsetzen zu können und das so lange wie möglich, um dann, sollte man doch irgendwann gehen müssen, weil der Bundesbürger einfach nicht verstanden hat, was man so alles an sinnvollen Dingen vollbracht hat, in einen netten und ebenfalls hochdotierten Job in der sogenannten freien Wirtschaft umzusatteln, ein schönes Dankeschön der Lobbyisten, die eine gute Zusammenarbeit auch später im eigenen Unternehmen gerne durch intelligente Opportunisten absichern wollen. Prost Neujahr Frau Merkel! Sie werden sicherlich nicht an ihrem Kontostand bemerken, dass die Mehrwertsteuer angehoben wurde, auch wenn sie zugegebenermassen viel weniger verdienen, als ihre Kollegen in der Industrie. Aber ab einem bestimmten monatlichen Einkommen ist es doch eh egal, was die Dinge kosten, jedenfalls wenn man in Discounterkategorien denkt. Da geht es dann nur noch um die Rangskala der Reichen, wieviel Golfclub kann ich mir leisten und werden meine Nachbarn noch exklusivere Immobilien erwerben als ich?
Angela Merkel sollte jedenfalls an ihrer Sprachreha arbeiten, bei der Langsamkeit der Formulierungen kann man nun wirklich alles verstehen, auch wenn man etwas schwer von Verständnis sein sollte, damit soll dann wohl die maximale Spannweite an potentiellen Wählern abgedeckt werden, aber die Nähe zu Sprachcomputern offenbart die Möglichkeit, sie garnicht mehr selbst sprechen lassen zu müssen, vielleicht war sie es ja schon garnicht mehr selber und da sind wir überraschenderweise beim „Michael Jackson“- Phänomen angelangt, wo wir es nie vermutet hätten, weiss man doch schon lange nicht mehr, ob der King of Pop noch er selber ist oder zwischen zwei Operationen gegen einen neuen ausgetauscht worden ist. Spricht Frau Merkel noch selber? Oder wird sie von etwas anderem gesprochen? Ein Fall für investigativen Journalismus. Könnte man meinen...


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