Montag, 28. April 2014

Durchbruch























Kurator:
Schön, dass sie auch bei diesem Ausstellungsprojekt mitmachen wollen.

Künstler:
Wie sollte ich absagen. Ich kann mir meine Ausstellungen nicht aussuchen.
Was möchten sie denn von mir zeigen?

Kurator:
Ja, was ihren Beitrag anbelangt ... 
Wenn sie ein Wandobjekt beisteuern wollen, dann wird es etwas knapp mit dem Platz. Da ist eigentlich schon alles vergeben. Da ginge noch eine Skulptur im Raum oder eine performative Arbeit.

Künstler: 
Meine Skulpturen werden wenig gezeigt. Wahrscheinlich, weil sie recht transportaufwändig sind. Und man benötigt einen Sockel für so etwas. Würde der Transport von ihrer Seite getragen und wird es Sockel vor Ort geben?

Kurator:
Du lieber Himmel, nein! Wir können keine Transporte bezahlen. Geschweige Sockel stellen. Wir können ja froh sein, wenn sich die Einladungskarte durch freiwillige Beiträge jedes Künstlers finanzieren lässt. In diesem Zusammenhang möchte ich sie auch bitten, eine Summe ihrer Wahl beizusteuern. Im Durchschnitt hat jeder Künstler bisher dreissig bis fünfzig Euro gegeben. Sie werden dann natürlich auch namentlich auf der Karte erwähnt ...

Künstler:
Hmm, ja, ich habe Schwierigkeiten diesen Monat. Meine Ateliermiete schulde ich schon für 3 Monate und ich kann mir derzeit eigentlich kein Essen mehr kaufen. Ich kenne auch niemanden, den ich mit einer solchen Karte einladen könnte. Wäre es auch möglich eine performative Arbeit zur Eröffnung zu realisieren?

Kurator:
Ja, natürlich. Wie ich schon sagte, da hat sich noch niemand gemeldet, der so etwas machen möchte … Wie lange soll das denn dauern, was sie da machen wollen?

Künstler:
Ich weiss nicht genau. Ab einem bestimmten Punkt habe ich keine Kontrolle mehr über den Verlauf. Das Ende hängt von Faktoren ab, die ich nicht genauer bestimmen kann. Ich denke aber, dass nach einer halben Stunde das Interesse des Publikums abgeklungen sein wird. 

Kurator:
Eine halbe Stunde ist gut. Länger sollte es tatsächlich nicht dauern. Das Publikum macht so etwas heutzutage nur über einen bestimmten Zeitraum mit. Dann lässt die Konzentration rapide nach. Was planen sie denn?

Künstler:
Ich dachte an eine öffentliche Selbstverbrennung. Ich stelle mich vor den Ausstellungsraum ins Freie und schütte den Inhalt eines Benzinkanister über mich. Dann entzünde ich mich mit einem Streichholz oder einem Feuerzeug selbst. Man könnte den Vorgang filmen. Ich selbst kann nach Abschluss der Performance ja nicht mehr viel Einfluss auf eine Dokumentation nehmen.

Kurator:
Sehr schön, machen sie das. Schauen sie nur, dass es keinen Dreck gibt und die Zuschauer nicht gefährdet werden. Solche Performances sind ja für die Besucher ein echtes Wagnis, wenn man keine Rücksicht nimmt. Aber ich kenne sie ja und weiss, dass auf sie Verlass ist. Es freut mich, dass sie sich mit so einer eindrücklichen Arbeit präsentieren wollen. Die Ausstellung wird sicher einige Aufmerksamkeit in der Stadt auf sich ziehen. Davon profitieren natürlich zuallererst die teilnehmenden Künstler ... Dokumentieren können wir das sicherlich nicht. Haben sie jemanden, der es aufnehmen könnte?

Künstler:
Ja, das regle ich. Freut mich, dass ihnen meine Idee gefällt. Ich kann ihnen zusammen mit meiner Vita eine Zusammenfassung des Konzeptes zumailen, wenn sie wollen.

Kurator: 
Aber nicht mehr als fünf Sätze bitte! Da will ja jeder mit seinen Sachen erwähnt werden. Das geht natürlich nicht. Ich kann nur einen repräsentativen Querschnitt in der Presseerklärung unterbringen. Selbstverbrennung als Performance ist aber sicher ein guter Aufhänger für die Eröffnung. Der ein oder andere möchte sich das vielleicht nicht entgehen lassen.

Künstler:
Sicherlich wird jemand aus meinem Freundeskreis bereit sein meine Selbstverbrennung zu filmen. Dann hätten sie auch etwas für ihre Dokumentation. Aber einen Katalog gibt es ja eh nicht.

Kurator:
Kataloge sind etwas für Spiesser, das wissen sie doch  Sehr schön! Ich muss jetzt Schluss machen. Unsere Absprachen stehen ja. Und bitte mailen sie mir ihre Sachen noch bis zum Wochenende. Ich bin ab Sonntag für zwei Wochen in der Toskana und habe so viel um die Ohren. Manchmal weiss man nicht was man zuerst tun soll.

© Hagen Rehborn 2014 - all rights reserved











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