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Nan Hoover, wie Schwarz und Weiss, Licht und Schatten. Die Unendlichkeit der Dinge.
Zugfahrt Köln-Berlin 16.06.2008
Tod von Nan Hoover vor einer Woche.
Trauerfeierlichkeit um 17.30 Uhr in Berlin Westend.
Die Nachricht von Nan's Tod erreichte mich letzten Donnerstag per e-mail.
Ich habe bei Nan Hoover mein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf begonnen, als Wechsel von der staatlichen Hochschule der Künste in Utrecht, Niederlande.
Von Nan habe ich erfahren, als ich cira ein Jahr zuvor, 1992, den Bruder einer Feundin kennenlernte, der bei Nan mit seiner Partnerin zusammen Video und Fotografie studierte.
Ich habe nach Vereinbarung an einem Vormittag meine Sachen vor ihrem Büro im ruhigen Rheinflügel der Akademie Düsseldorf aufgebaut und sie schien wohlwollend zu sein, mit der Frage "Do you like parties?" gab sie mir die Zusage in ihre Klasse zu wechseln.
Ich erinnere mich noch an mein Erstaunen, dass sie scheinbar weniger nach der künstlerischen Arbeit beurteilte, als nach ihrem Eindruck vom menschlichen Charakterpotenzial und dass mein heiss ersehnter Wechsel an die angeblich berühmteste Kunstakademie der Welt so schnell und unspektakulär erfolgte.
Schon kurze Zeit später habe ich für sie privat gearbeitet, als künstlerischer Assistent, dann auch bei ihren Lehraufträgen an der Sommerakademie in Salzburg als Videoassistent, ich war Tutor der Klasse und habe viele wunderbare Stunden mit Nan gehabt, Geburtstage, Austellungen, Parties, Vernissagen, Zugfahrten, immer wieder schwer bepackt Aufbauten ihrer Installationen, Bohren, Schrauben, Anmalen, Sägen, Kampf mit Wänden. Spektakuläres Leben, immer wieder Neues und Fremdes.
Ich habe Holzplanken und Farbeimer geschleppt, 7,5 Tonner gefahren, Badezimmer geputzt und mich mit etwas anstrengenden Menschen auseinandergesetzt.
Es hat alles viel Spass gemacht. Es war reich und voller Esprit.
So war Nan's Leben, dazwischen gab es aber auch Stille und Ruhe, Schonzeiten vor neuen Projekten.
Nan's Leben war stark konzentriert auf die Kunst und deren Platzierung im gesellschaftlichen Kontext, ihre Arbeiten waren der Antrieb für ihr Dasein, dem ordnete sie viele sogenannte private Lebensaspekte unter, bis hin zu ihrer Gesundheit. Sie baute Austellungen auch unter starken Schmerzen auf.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie eine gute Geschäftsfrau war, sie hatte ein ausgeprägtes Ehrgefühl und wollte nicht alles dem Mammon Geld unterordnen. Als freizügiger und philantrophischer Mensch wurde sie häufig ausgenutzt und sie wusste das sehr genau.
Gemeinsames Arbeitsleben kann man es nennen, auch wenn ich nicht in Düsseldorf wohnte, war ich doch häufig auch ausserhalb des Akademiekontextes dort und habe an vielen professionellen Aspekten ihres Lebens teilgenommen. Sie kaufte mir einen Anrufbeantworter und meine damaligen Mitbewohner erinnern sich noch heute an lange Nachrichten über Projekte und Aufträge.
Mein Studium plätscherte dahin, Nan förderte mich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, ich nahm an Austellungen teil und bemerkte, dass mich vieles im Akademie- und Kunstbetrieb enervierte, aber nach den Erfahrungen in universitären Strukturen war es trotzdem ein neues Lebensgefühl.
Ich empfand mich noch als sehr jung und unreif, dieser Eindruck ist der Erkenntnis gewichen, dass ich nun, mehr als dreizehn Jahre später, nicht viel weiser geworden bin, nur etwas ernsthafter.
Nan war auch ein wenig eine intellektuelle und emotionale Mutter für mich, sie füllte damit eine vakante Stelle in meinen Beziehungsmustern. Auch deshalb hatte sie einen ernormen Einfluss auf mein Lebensgefühl. Das, was ich als das Sein im Dasein bezeichnen würde.
Sie sprach nicht viel über die Vergangenheit, aber man wusste schnell, dass sie ihre Rolle als attraktive sexuell aktive Frau vermisste und das Alter nur bedingt willkommen hiess.
Der Tabubruch hatte ihr privates Leben zeitweilig bestimmt, in einer Zeit, als man darüber sprach und es als Lebensgefühl propagierte, setzte sie ihre Ansprüche an ein selbstbestimmtes Leben als Frau und Künstlerin konkret um. Dies war nicht möglich ohne den Bruch oder die Beschädigung wichtiger emotionaler Beziehung. Sie bedauerte dies zeitlebens.
1994 machte sie mich zu ihrem Meisterschüler. Diese Auszeichnung dürfte im Allgemeinen eher ein formaler Akt sein, ich denke heute, dass es bei mir die Feststellung einer Lebensrealität war.
Was uns verband waren auch Wesensverwandtschaften.
Unachgiebigkeit, Starrsinn, Kampfesbereitschaft, Verträumtheit, Stolz, Selbstbewusstsein und Verwundbarkeit teilten wir, jedenfalls manchmal.
Wir wahrten dabei eine Distanz und Abgrenzung, die unserem grossen Altersunterschied und unseren völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen gerecht wurde. Auch deshalb konnten wir Schwächen aneinander schätzen.
1995 wurde unsere Zusammenarbeit nochmals enger, ich wurde ihr Assistent bei einer Theaterproduktion in Bremen.
In deren Verlauf kam es für mich völlig überraschen zum Zerwürfnis, sie fühlte sich schon zu Beginn von mir nicht richtig behandelt, sie fand ich sei unzuverlässig.
Ich nahm eher wahr, dass ihr die Kosten für meine Arbeit durch Zugfahrten und Hotelaufenthalte über den Kopf wuchsen.
Als ich während der Produktion erkrankte und fiebernd im Bett lag, hat sie mich telefonisch über meine Kündigung unterrichtet.
Ich wehrte mich und fiel in Ungnade.
Sie verweigerte mir an der Akademie die Unterschrift zum nächsten Semester. Der Abschluss des Akademiebriefes schien unmöglich, ich suchte eine neue Klasse, ausweglos. Dann intervenierte Nan in der Einsicht, dass diese Angelegenheit nicht meine akademische Laufbahn tangieren dürfte. Im Laufe des kommenden Semsters verliess ich die Akademie mit dem Abschluss und der Gewissheit nun künstlerisch auf mich selbst gestellt zu sein. Trotz ihrer kategorischen Haltung, ist sie über ihren Schatten gesprungen und hat es geschafft die Dinge zu differenzieren.
Wir haben uns danach noch wenige Male gesprochen, beide voll gekränktem Stolz und dem Unvermögen unsere Grenzen zu überschreiten, aber dennnoch voller warmer Sympathie füreinander, was kein Wiederspruch sein muss.
Es gibt nichts zu bereuen, wohl zu bedauern, dass das Leben merkwürdige und unergründliche Wege geht.
Ich habe Nan als Menschen geliebt und immer in meinem Herzen bewahrt. Ich weiss, dass es bei ihr auch so war.
Sie hat mein Leben sehr geprägt und wirkt auch heute noch in meinem Denken und Fühlen mit. Ihre Kunst und das was ich ihren unbrechbaren Willen zur Selbstverwirklichung nennen möchte, halte ich in meiner Erinnerung wach.
Ich bin mir sicher, dass man sie als Künstlerin und exzeptionellen Menschen in Erinnerung behalten wird.
Sollte es Erlösung geben, so wünschen wir sie allen, die wir lieben und liebten.
Ich bin mir sicher, dass Nan Erlösung erlagen wird.
Würde ich sie irgendwann einmal wiedertreffen, so würde sie mich als erstes fragen:
"Are you working Hagen?" Und ich würde sagen: "Yes Nan, I am working."
Nan ist der erste Todesfall seit Jahrzehnten in meinem Freundeskreis und ich stelle fest, dass ich ernsthaft beginne über den Tod nachzudenken, auch wenn ich zuvor manchmal darüber gesprochen habe ...
Ich bedaure, dass es keinen Grabstein geben wird, an dem ihre Schüler, Bewunderer und Freunde in stillem Gedenken Blumen hinterlegen könnten.
Nan wird sich dabei etwas gedacht haben, das ist sicher, denn auch wenn sie sehr spontan wirken konnte, verlor sie nie den grossen Plan aus den Augen. Ihren grossen Plan. Das Leben, die Kunst, die Liebe, der Tod und die Unendlichkeit.
Alles gehört zusammen, wie Schwarz und Weiss, Licht und Schatten.
Wer wusste mehr darüber als die Küstlerin Nan Hoover.
The dog is turning back, the man attaches the leash with the snap hook at the dog collar. The dog waggles and now they are both walking along the road, approximately 200 meters till the end of the line of the houses. There the lane disembogues into a sidewalk, seperated by roadblocks.The dog snuffles and raises his leg at a hedge fringe, the man pulls him away quickly. The forest is in immediate nearness. It is humid, it was raining just some minutes ago. The trees are very green and dense, the forestground is braun, moist and on some spots it is covered with light fouling. It smells like soil and grass. The dog pulls the leash. While passing the roadblocks it has exceptionally taken, the side at which one could pass by holding the leash. Else it always takes the side where you have to pull it backwards, therewith the arm wont get caught by relinquishing the leash. The man pulls the dog to his side and detaches the the snap hook. The dog is very much exited and bears down to a neap shrub to urinate. At the woodside the path is only covered with grid and turns around a corner through a stock of poplars. The dog runs ahead. The man summons the dog. The dog turns back, runs towards the man, waggles and reverses again to follow the path with a fast footfall. The man follows the dog. Behind the poplars, which are brawling softly in the wind, there is a water located in a glade. The forestpond. The man can‘t see the dog anymore. But through the leaves of the trees he sees a person standing on the other side of the pond, it shines whitely. The man accelerates his steps a bit more and crosses the poplars. Now he can oversee the whole pond. The dog stands on the other side, close to a woman which is wearing a white trenchcoat. In front of her stands the dog and a black poodle. The woman removes a stick of the ground and throws it into the water. The dog pounces behind and swimms towards the point, where the water induced little waves accused by the strike hitting the water surface. It wheezes loudly. The black poodle stands on the lightly elevated shore and barks, overlooking the scene, to the water. The man reaches the woman and greets her with a “Hallo“. She looks at him and says “ Good day“. The poodle still contious to bark vehemently at the water. The dog has reached the stick which is swimming in the water and takes hold of it. It wheezes even louder and swimms back holding the stick. Bedraggled it comes out of the water and runs towards the man, stops in front of him, drops the stick and shakes its boddy vigorously. The woman laughs. Her trenchcoat is covered all over with dark waterspots. The poodle is still barking, the woman says: “You old swank, you are nothing but a wimp“. The man laughs. He looks at the woman, then at the dog and fixes it with the leash. The dog shakes it‘s body another time, but only in a tremulous move, which makes his back side mince. The man walks direction to the path an says loudly, having a gaze at the woman: “Good buy“. She smiles and turns towards the poodle, which gets ready to follow the man and retains it by holding the collar. She wispers something into its ear and laughs once more. The man knows a big black poodle in the area around. It is called Ivan. He has seen it some more often in the forst with an about 12 years old girl. This poodle looks pretty much similar to the one of the woman. Also his dog seemed to recognize it, otherwise it would have hummed aggressively. Finally the poodle is a male dog and furthermore his dog doesn‘t like black dogs. The man turns towards the dog and walks with it from the glade into the forest. Actually around him are birches and spruces. The dog pulls the leash, the man takes hold of the collar and unclenches the snap hook. Looking back, he still sees some wite of the womens coat through the trees. Out of a bush flies a blackbird lowly over the path and dissapears with loud yells in another shrubbery. The dog runs forward waggling and snuffles passim the waysides. Being wet, its fur seems to look darker. The sun stands behind the trees, through the birches it shines till the ground of the forest. It is hazy. The man goes further and calls the dog, which turns to the right while reaching a crotch. But the man wants to turn to the left. They cross a sandy path with horse dung. The dog snuffles at the horse dung and the man calls: “Fie!“ The dog looks at the man and runs rapidly further. Now the forest is composed of oaks and maples. The sun doesn‘t reach the ground of the forest anymore. After about one kilometer they reach a glade on which one can already see the bright daylight from far away. On the glade is a soccer field, surrounded by a red tartan runway. The field is surrounded by a head-high fence, on which vetches are trailing along. They are already about to die back. Everywhere its leaves are yellow, but there are still large numbers of big white blossoms, which remain immaculate. The dog runs along the fence, the man looks at the soccer field. It is totaly empty, the wet floor steams a bit, right now it is very sultry. The dog has reached a dust bin on the edge of the field, where there is also a gate in the fence. In front of the dust bin, which hangs on half hight at a metal pole, lays a transparent plastic bag, in which an undefinable content ins wrapped. It‘s size is like the measures of a melon. The dog snuffles at the bag and wrenches it. The man calls it loudly and runs into its direction, astonished the dog looks up till the man reaches. The man takes the bag and throws it into the dust bin. He paws the dogs neck. “Well behaved…, this is bad…“, he says calmingly to the dog, which reconvenes to waggle. Reaching the fence they sharply turn off to the left and follow the course of the tartan runway just for a while. The cloud cover continous to overcast and at the next field corner the dog turns to the right, following the crotch away from the sports field into the forest. The man follows. The path becomes narrower and leads over tree stumps. At some points are hughe puddles. The dog runs just smac through and slobbers a bit of the water. The man walks around the path-bordering stinging nettels. He lifts up his hands for not getting his arms touched by the nettles. Shortly the dog stands still, in order to wait for the man, who fell back a bit because of the plants and puddles. Far away rings out a shot, than a second. The dog pricks up its ears and poises abruptly. After a while they once again cross mutually the sand path for horses and reach again the forest area with the birches and spruces. The air is oppressive. It starts to rain softly, the driblets are like warm water on the skin. The dog deselerates its steps slighly, its interest for the forest eases up since they have taken the same way back like the way they came. The man recognizes the dogs lack of interest and suddenly turns off the path, directly into a coppice of birches. Now the dog follows again flutteringly. The ground is almost impassable, there are many blackberry bushes, that are still small-sized and lead their tendrils like snares over the surface. Occasionally some small and yellow mushrooms are visible. They settle on decayed wood pieces. On a grassy expanse the dog tracks down a culver, which flushes tippily lurching with a whiring noise. It then disappears over the tree top of some spruces. Stricken with hunting feaver the dog runs behind. The man can‘t see it by now, he calls it and follows into its direction. Soon he finds it in front of an ground hollow pointing on three legs, the head turned aside. It is entirely concentrated on the earth hole and just gives the man a short look to restare right into the dark hole again. The man smiles and looks through the birch trunks. Poplars rising much taller behind these start to whoosh in the initiating rain. Through the trees he reconizes, that the forest pond is situated in front of them. He just wants to walk into the ponts direction when he hesitates. Through the trees he can see something swimming in the water. It is a person with dark hair, which dives under for then to turn up buffing and blowing and shaking its head. The man approaches further to the direction of the water and realizes that the women he met before with her black poodle is swimming precisely in the center of the pond. Her dark hair is drenched completely black, her shoulders appear out of the water. They are very much white. She submerges once and at the same time she shows parts of her back, of her butt and her legs, when she dives head first down the water that resembles a dark liquid. The surface of the water dances because of the intensifying rain. The man stares on the pond and hesitates. The dog continues gazing at the earth hole and beginns to extend the inlet by scratching. It growls slightly with it. The man looks over at it and wispers quietly „schschschsch…“. He lifts ostentatiously his finger to his lips. He cowers and once again peers out of the cover to the pond. The woman reappears. She strikes her hair out of the face and grinds it slightly behind her head. Withal she keeps herself with swimming movements of her legs and her hands in a nearly upright position. From time to time her breasts are slightly visible. They are also very white. The dog has begun to burrow very impetuously on the earth hole and at the same time it beginns to bark flutteringly, apparently it has found the scent of an animal and tries to unveil it. The woman turns her head into his direction and tries to observe something in the leaves of the trees. The man hesitates, reasons shortly, stands up and goes briskly through the birches, rather precisely to the point where he first met the woman with the black poodle whose name might be Ivan. The poodle is not visible. She sees him approaching the water and sprawls out her arms, for to wave her hands to a greeting. Withall she elongates her breasts entirely out of the water, in order to sink down again and to laugh alertly in an easy audibly way. The dog in the backgrond barks like crazy. The man turns around and calls it vigorously. The dog continous barking and and whimpers loudly. The man turns around and sees how the woman prepares to dive under head first again. She gives tongue to crowing sound. He reverses and runs back to the dog. This has digged itself in its hunting fever till its neck into the earth hole and barks into the ground. The man grasps it at the collar and pulls it with his last ounce of strength out of the earth hole. The dog is entirely soiled. Its slobber is spread over the whole snout and the earth has spliced with the splitter to some kind of pulp. Its eyes are shedding tears and earthcrumbs are sticked to them. Its fur is covered with remnants of the forest ground. And now it becomes even murkier. The man vigorously pulls the recoiling dog away from the hole and shouts at it. The dog reacts just for some seconds and springs again towards the earth hole. The man takes the leash and wrenches the dog away from the hole and attaches the snap hook at the collar. The dog yowls and its wimpering sounds are flashing over, so that they sound like the squealing of a pic. He tries now in spite of the tighten leash to reach the hole again. As a hunting dog full of energy with enormous strength it wrenches the man once more to the earth hole. The man shouts at the dog frantic of excitation and beats its rear part with the end of the leash. Now the dog is breaking off its fury, throws down, still stucked halfly in the ground and tries to turn whimperingly on its back. The man wrenshes the leash and pulls the dog over the stirred up forest ground away from the earth hole. Yet he sees from an angle of his eye, how a dark bird, not bigger than a dove, fires like an arrow, with an egregious speed out of the earth hole and disappears low-flying over the ground into the direction of the pond.The dog is jumping up entirely gobsmacked and the man follows with his eyes the dark object and then lowers his look over the surface of the pond. The raindrops are dancing on the watersurface. The rain superimposes any other noise. The man pulls the dog to the shore of the pond and looks tensly at the water surface. Meanwhile he himself is very much wet and the rain is running along his nose, so that he has to go with his hand over his face to eleminate the itching drops. The dog clings closely to his right leg, with jammed tale, hanging ears and big eyes. The man stares along the water. Nothing happens. The woman does not resurface. Quietly he counts the seconds. Approximately after the number thirty he beginns to run arround the shore. Nothing moves. Alternately he looks to the pond and the forest. After a few minutes he effetely sits down on a stump of a sawed off poplar, the dog stands with the leash on at close quaters and watches the forest, bedraggled of the rain. The man stares again into the water and dwells convulsively. He unhands the leash, stands up and takes off his shoes. He deposits them on the stump and wades with straddled arms into the water. The ground of the pond is glibbery and pours up between his toes. He has rolled up his trousers. The dog stands at the shore and watches him. When the water beginns to soak the cloth of his trousers he stops, turns around towards the dog and then looks again at the water. The dog lays down and beds his head on the frontpaws. The spittle is washed away by the rain. A little carryover still sticks on his chaps. The man remains in the water comming up to his waist.
© Hagen Rehborn 2007/08, all rights reserved
Vor ihm flogen ein paar Strandläufer auf. Anstatt hinter ihn zu fliegen, so dass er sie beim weiterlaufen nicht wieder zwangsläufig aufscheuchen würde, bewegten sie sich immer nur ein paar Meter von ihm fort, so dass er sie mehrfach zum auffliegen brachte, bis sie endlich über den Strand in Richtung Dünen abzogen.
Hier gab es nichts und deshalb alles.
Keine Gebäude keine Bäume, keinen Müll, keinen Lärm und keinen Gestank.
Aber Strandgut welches sich in jeder Mülltonne nicht vom Rest absetzen würde. Ein ziemlich laut tosendes Meer, welches mit Wucht auf den Strand brandete, ein Schiffswrack zwischen den Wellen, welches die Größe mehrerer Kleinwagen haben musste, Fischgestank von toten Einzelexamplaren, die es nicht mal als Futter für grössere geschafft hatten und nackte fette Menschen, die träge unter geschmacklosen Sonnenschirmen dösten.
Das erinnerte ihn wieder an seine prekäre Lage.
Am Ende des Strandes waren nur noch sehr vereinzelt Menschen zu sehen. Diese offenbarte sich, wenn er sich hier im Sand niederließ, als eine lockere Kolonie frustrierter Homosexueller, die schnellen Sex in den Dünen oder andere Albträume suchten. Ihre Begehrlichkeit war anstrengend, gab es als nackter Mann kaum tragfähige Möglichkeiten zu demonstrieren, dass man seine Ruhe haben wollte. Also lief er lieber weiter, am Einlassrohr der Papierfabrik vorbei, die in riesigen Mengen eine braune, scharf stinkende, heiße Brühe ins Meer leitetete. Bis zum nächsten Schiffswrack, welches nur noch bei Ebbe zum Vorschein kam und wo, wenn überhaupt, nur noch Angler in erstaunlicher Beharrlichkeit ihre Ruten ins Wasser warfen. Da konnte man in Ruhe liegen oder im eiskalten Wasser planschen, sich von beißenden Fliegen anfallen lassen und ernüchtert wieder aufbrechen, wenn am Nachmittag der vom Meer kommende Wind Orkanstärke erreichte und den Sand wie in einer Sandstrahlerei aufpeitschte.
Was beruhigte ihn daran?
Es hatte ein Programm, dem er folgen konnte, die ungewisse nahe Zukunft lag bei Punkt zwei und vorher kam Punkt eins, abwarten, bis der Urlaub vorbei war. Dieser Punkt konnte gefüllt werden mit Überlegungen zu Punkt zwei, dies wiederum ließ sich schon am frühen Abend mit Rotwein versüßen, so dass er sich auf körperliche Erfahrungen, wie sonnenheißer Haut, Mückenstichen, Muskelkater vom Laufen, Muskelkater vom Radfahren, Muskelkater vom Schwimmen, nächtlichem oder frühmorgendlichem Masturbieren konzentrieren konnte.
Aus Ermangelung eines Fernsehers las er Unmengen von Zeitungen auf der Dachterrasse und erfuhr so mehr über erfolgreiche Künstler und deren Auftritte in der deutschen Medienlandschaft als ihm lieb war. Es gab sie, die Erfolgreichen, sie reisten in der Welt herum, inszenierten plötzlich sogar Opern, was er sich immer sehnlichst gewünscht hatte, trugen Maßkleidung und redeten unverblümt hohlen Unsinn über die Sinnlosigkeit von Geld und den Segen, den die Gesellschaft an ihrem feinsten und edelsten Geschlecht hätte, den Künstlern.
Sie hatten Assistenten, vereinzelt schon mal fünfzig Stück auf einmal und ließen sich munter lächelnd zwischen ihnen wie in einer Schar Kinder ablichten. Was für ein Segen, was für ein Glück und so viel Ausdruck und wundervoll genutztes Potential.
Eine wohlige Welle wollte sich in seinem Gemüt bei dieser Lektüre nicht breit machen.
Es war zu viel Glück, zu viel „sich durchsetzen auf dem Markt“, wie es ein bekannter Chefredakteur einer allseits bekannten Kunstillustrierten für unbekannte Seidenmalkursbesucherinnen einst genannt hatte: „Wenn sich ein junger Künstler erst auf dem Markt durchgesetzt hatte, dann …, ja dann, dann …
Dann konnte er davon ausgehen, dass dies ein für ihn verpasster Akt sein musste.
Die letzte Ausstellung wurde trotz räumlicher Entfernung von vielen seiner Freunde gesehen, man besuchte sie, weil man ihn mochte, sogar sein fünf Monate altes Patenkind war da.
Die Eröffnung hatte familiären Charakter, sein Freund war da und ein paar Freunde des Ausstellungsorganisators, dessen Freund, ein Psychologe, wollte sogar einen Text über die Arbeiten verfassen. In einer Preview hatte er beglückt festgestellt, seine Exponate und der Ausstellungszusammenhang seien wirklich überzeugend. Ein künftiger Förderer?
Neue Perspektiven sich mit intelligenten und sensiblen Menschen über die Komplexität des Kreativen auseinanderzusetzen?
Seine Knie schmerzten da noch recht ordentlich, jetzt, nach vielen Stunden mit Nordic Walking Stöcken im weichen Sand, fühlten sie sich spürbar besser an. Im letzten Jahr bei einem Besuch der angeblich zeitgeistig angesagten Galerien im Viertel um die Auguststraße in Berlin, in welchem sich die Menschen einem ruhigen, gesättigten und doch inspirierten Denken und Leben widmen könnten, hatte er noch starke Schmerzen und nur noch sehr wenig Sex mit seinem Freund.
Sex mit schmerzenden Knien ist sehr kompliziert, fast unmöglich. Er zwingt einen reglos zu bleiben und zu hoffen, dass die Schmerzen für die nächsten Minuten nicht wieder auftauchen. Unvereinbar mit seinem eher drängenden Naturell.
Der Eindruck, den die Ausstellungen und Galerien hinterlassen hatten war dem Schmerz in den Knien ähnlich gewesen, bornierte Angestellte oder Betreiber, deren Fähigkeit oder Bereitschaft zur Kunstvermittlung gegen Null ging und sich sicher nicht vorstellen können wie man sich fühlt, wenn man einen hellen Ausstellungsraum betritt und von einer strategisch günstigen Stelle aus von einer fremden Person, die an einem Schreibtisch sitzt, gemustert wird. Von den gezeigten künstlerischen Arbeiten ganz zu schweigen, so unsinnlich, so ungekonnt, aber es gab Ausnahmen …
In dieser Zeit intensivierte sich sein Nachdenken über das Scheitern.
Die Intensität der Empfindungen stumpfte ab. Es gab in erster Linie das Ziel durch den Tag, die Woche, den Monat zu kommen. Sein Geliebter war sehr geduldig mit ihm, er war nicht so geduldig mit ihm. Der Geliebte verzog sich etwas um Abstand zu bekommen, da hatte er noch etwas, was er vermissen konnte.
Er wollte sich selbst spüren und konnte es eigentlich nicht ertragen.
Er wohnte zwischen der Autobahn und dem Flughafen. Der Lärm erinnerte an das Rauschen der Brandung, die Wände der Autobahnunterführungen waren mit dümmlicher Graffiti zugesprüht. Durch sie hindurch gingen die idiotischen Jugendlichen, die sie aufgesprüht hatten. Er konnte zu Fuss zum Abflug gehen um jemanden in einer anderen Stadt besuchen zu fliegen. Das hatte er vor dem Knie Problem häufiger gemacht, dann erstmal nicht mehr. Das lag auch daran, dass das Geld immer knapper wurde. Seitdem er freiberuflich ohne festen Nebenjob versuchte zu überleben, kam immer weniger in die Kassen. Aber er hatte die Knechtschaft unter schwachsinnig verblödeten und darum sadistischen Chefs gegen eine Knechtschaft unter seine eigenen Ängste ausgetauscht. Diese Entscheidung zwang ihn zum Nachdenken und zum In-Frage-stellen.
Er entwickelte sich, dachte er, aber alles wurde sehr anstrengend.
Er versuchte sein Verhältnis zu Galeristen zu verbessern, zu denen er bisher keines gehabt hatte. Er versuchte das bei einem von der EU geförderten Coaching, bei dem es ihm wichtig war, dass es keine Therapie wurde, in Wirklichkeit war es von Anfang an eine.
Dabei fiel ihm unter anderem auf, dass er sich das Aussehen von Galeristen wie das seiner Eltern vorstellte, rätselhaft und sinnlos.
Er dachte manchmal an den Tod und traute sich nicht mit anderen darüber zu sprechen.
Wie sollte man da angemessen eintauchen, ohne anzuecken?
Entweder sie glaubten, man wolle sich umbringen oder sie fanden, man mache sich wichtig mit einem Tabuthema. Ein Testament hatte er vor einigen Jahren gemacht, es aber vor kurzem wieder zerrissen, er konnte sich niemanden vorstellen, dem ein Erbe seiner Sachen nicht wie eine Bürde erscheinen könnte. Und einen der Hauptbegünstigten hatte er bewusst aus seinem Lebensfokus entfernt.
Das Anhören trauriger Musik brachte sein Nachdenken über das Leben und den Tod zum unmittelbarsten Moment, er weinte allein für sich, ganz undifferenziert, in Gedanken an seinen eigenen Tod und das viele Pech, was er gehabt haben musste um so zu scheitern. Er ließ die Merkwürdigkeiten seines Lebens passieren und bemitleidete sich dabei hemmungslos und stets mit der Schlussfolgerung, dass er auch nicht wüsste wie es anders weitergehen müsste, aber dass es zu viele Dinge gäbe, die ihn vom Fortgehen abhielten. Dazu gehörten seine Eltern und sein Geliebter, dem er in einer weiteren Geschichte des Scheiterns, des Scheiterns in der Liebe, trotz vielfacher Unsicherheiten, ein großes Potential beimass. Er glaubte an diese Beziehung, auch wenn er schon an andere geglaubt hatte, die sich dann als Odyssee der unerfüllten Wünsche und angetanen Hässlichkeiten entpuppten. Er hatte sich vorgenommen, die Rituale, die er bei anderen lange Zeit als Lügen und Erkenntnisverhinderer wahrgenommen hatte, selbst zu bemühen. Er dachte an eine Ehe, an eine institutionalisierte Liebeserklärung. Die Familiengründung konnte er als „Homo“ und in dieser Hinsicht ebenfalls gescheiterter biologischer Mann natürlich vergessen. Aber etwas von Dauer und eigener Entwicklungsdynamik sollte möglich sein. Sein Geliebter könnte ihm dort andere, fremde Perspektiven vermitteln, die andere Wertesysteme hervorgebracht hatten.
Oder er würde es sehr bald nach dem Termin der Termine lassen und eine Verpartnerung würde das Scheitern seiner voraussichtlich letzten angeblichen Liebe, er nahm an, dass er mit vierzig Jahren und mehr kein weiteres Mal jemanden finden würde, der ihn attraktiv und liebenswert fände und dem er selber auch nur ein Quentchen wahrhaftige Gefühlswelt zugestehen wollte, nur noch perfekter und endgültiger machen, gewissermaßen ein Scheitern vor der Welt und seiner Familie. Er bedurfte eigentlich nur noch des Gesichtsverlustes vor seinen Freunden und seiner Familie. Dann würde er bereit sein abzusteigen, irgendwohin, wo man als Ausschuss der Gesellschaft landete, Obdachlosigkeit, Alkoholismus, psychische Degeneration.
Ja, so würde es sein, es müsste rasch und kaum wahrnehmbar stattfinden, schließlich blieb am Ende noch das Scheitern im Scheitern, wenn keiner es merkte und niemand Mitleid empfinden könnte und keiner sich wundern könnte, weil sich niemand darum Gedanken machen würde.
Aber da gab es ja noch die wundersame Welt der anderen, jenen, die sein Leben kreuzten und denen er Sympathie entgegenbrachte und mit denen er Dinge teilen wollte, Eindrücke, Reflexionen, Wirklichkeits- und Traumbetrachtungen, derer er selbst fähig war und welche er wegen ihrer Gleichheit oder Unterschiedlichkeit bei anderen suchte. Das ganze Universum wollte gedacht werden und jene versuchten es auch zu denken, so wie er oder anders. Leider war ein Scheitern in diesem Austausch unvermeidbar. Er wurde konfrontiert mit ihm unbekannten Bedingungen und Zwangsläufigkeiten. Jene anderen wollten ihn nicht bloß kennenlernen um etwas über sich selbst zu erfahren, nein, sie wollten ihn besitzen, wollten ihren eigenen Käfig mit ihm teilen.
Mit Verlaub, wer will das schon? Wer will schon vereinnahmt werden, wenn er bereits vereinnahmt wurde und keinerlei Potential mehr dafür vorhanden ist? Nun, alle sind egoistisch, das schien eine wünschenswerte, weil überlebensnotwendige Eigenschaft zu sein. Und alle belogen sich selbst, indem sie sich immer nur eine geschönte Wahrnehmung zumuteten. Das war selbst im Angesicht des Scheiterns zwangsläufig, die ganze nackte Wahrheit konnten die Menschen nicht ertragen, vielleicht über andere, aber nicht über sich selbst.
Anstatt sich dem Scheitern hinzugeben, begann er schon wieder Pläne zu machen gegen die ihm bekannten Gummiwände anzurennen und im bereits bekannten Ausmaß von ihnen abzuprallen, sie waren undurchdringlich, die Wände zu Ausstellungen, Stipendien und Kunstpreisen, die Wände zu Anerkennung, Rezeption und Würde.
Die, welche behaupteten, dass sie ihn besonders in ihr Herz geschlossen hätten, wo wir wieder im Bild des eigenen oder fremden Käfigs waren, wollten ihm manchmal beim Anrennen gegen diese Wiederstände helfen, weil sie annahmen, dass er oder seine Arbeit es wert waren, befördert zu werden. Ein eher romantischer Impuls brachte sie so weit, ihn bei anderen, nur ihnen zugänglichen Eingangstüren anzumelden, damit er weiter gehen können möge und ihren Eindruck bestätige, er hätte tatsächlich Talent und dies würde auch wahrnehmbar sein …
Jedoch verliefen diese Beförderungen niemals bedingungslos und dies störte ihn zunächst nicht, warum auch, hatte er nicht viel zu geben, konnte er nicht nett sein, Geschenke machen und einfach Glück verbreiten?
Ja, das konnte und wollte er. Aber sie wollten mehr von ihm, sie wollten mit ihm die Dinge verändern, die sie selbst nicht in den Griff bekam. Er wurde für das Scheitern der Anderen instrumentalisiert. Das war sein Tribut für ihre Liebe und ihr Bemühen ihn zu unterstützen und damit sei eigenes Scheitern abzumildern.
Um seinen Körper zu trainieren pflegte er über Jahre Sportstudios aufzusuchen und sich dort dem Training seiner Kondition und seiner Muskulatur zu widmen. Es war das konzentrierte Umgehen mit dem eigenen Körper, welches ihn zu sich selbst brachte, die Konzentration auf das vegetative System, die Schmerzen beim Ausreizen der Belastungsgrenzen. Er liebte sich selbst am meisten und was lag da näher, als seinen Körper begehrenswert zu machen, ihn zu verändern und davon zu profitieren, wenn eine plötzliche Endorphinausschüttung alle Sorgen vertrieb und er aus dem Fenster schauen konnte, sich den Schweiß abwischte und dachte: „Alles wird gut werden!“ Ein Zustand, der selbstredend nicht von Dauer war, aber sich wiederholen ließ.
Seine Knie verziehen ihm sein regelmässiges Joggern durch den Park nicht. Das Laufen war eine passable Möglichkeit an die Luft zu kommen und den Körper auf 100 % Leistung zu bringen, das Ermüden danach kam wie eine Belohnung: „Du hast dich angestrengt, deshalb darfst du nun ruhen“. Ein einfacher Mechanismus, der offenbar scheitern musste, wenn er an seine Knie OP dachte, bei der er dem Chirurgen auf einem Monitor zuschauen konnte, wie er eine Schlaufe um seinen gerissen Meniskus legte. Was danach kam war entsetzlich und er hatte solche Schmerzen bisher nur ein einziges anderes Mal kurzzeitig erlebt, der Eingriff verschlimmerte sein Leiden deutlich und er konnte nach der durchschnittlichen Rekonvaleszenzdauer nicht mehr so laufen wie vor dem Eingriff, nein, es war schmerzhafter geworden. Er machte einen Anlauf in einem medizinisch ausgerichteten Sportstudio. Am Anfang dachte er, es würde ihm helfen, aber nach einiger Zeit bemerkte er, dass es ihm weder half, noch entspannte. Im Gegenteil, das präzise Notieren seiner Trainingsergebnisse machte ihn traurig, weil er einsah, dass er mit diesem System niemals mehr unbeschwert Sport machen konnte. Er saß auf den Maschinen, wie ein Tier im Versuchslabor und die aufgesetzte Freundlichkeit des Personals erinnerte ihn mehr an eine totalitäre Diktatur als an eine überzeugendes Dienstleistungsunternehmen.
Er war umgeben von unglücklichen Menschen, die schmerzende Körper hatten und schnell wieder aus den Exerzitien entlassen werden wollten. Die körperbezogenen Handlungen wirkten hier nicht erregenden, sondern beklemmend.
Außerdem bemerkte er, dass sich sein Zeitempfinden, seitdem er ausschließlich freiberuflich arbeitete, verändert hatte. Er wollte sich nicht mehr einfach nur noch Entspannen, seine Tage kamen ihm viel zu kurz zum Leben vor und er konnte sich nicht aufraffen zu Dingen, die er früher ohne ein Bedenken für gut erachtete. Jetzt wollte er alles auskosten, besonders sich selbst, das Dasein, das Nachdenken und das zwangsläufige
Scheitern. Er wollte sich immer wieder neu zusammen setzen, auch wenn er wusste, das dies ein endlicher Vorgang war. Er musste versuchen Geld zu verdienen und das war recht kompliziert. Komplizierter, als er dachte
Das abgeschnittene Ohr, welches er auf sein T-Shirt drucken wollte, gab ein gutes Bild für seinen Zustand ab. Er war sowohl geistig, als auch körperlich verletzt und konnte damit doch ruhig und konzentriert umgehen. Die Reminiszenz an das völlige Scheitern eines Künstlers, der in seinem Werk erst posthum grenzenlose Anerkennung erfahren hatte, wurde ihm zum Sinnbild einer vagen Hoffnung. Schließlich war alles im Leben vage.
Hagen Rehborn © 2007
Das Haus liegt am am Rande des Waldes. Vorortsiedlung. Der Hund wartet am schmiedeeisernen Tor der Einfahrt. Es ist etwas verrostet und quitscht, als der Mann einen Flügel öffnet, der Hund drängt mit der Nase schon durch den ersten sich öffnenden Spalt. Der Mann ruft ihn verärgert. Der Hund kommt zurück, der Mann befestigt mit dem Karabinerhaken die Leine am Halsband. Der Hund wedelt und sie gehen nun gemeinsam die Straße entlang ca. 200 hundert Meter bis zum Ende der Häuserzeile. Dort mündet die Fahrbahn in einen durch Sperrfosten abgetrennten Fußgängerweg. Der Hund schnüffelt und hebt an einer Heckeneinfassung das Bein, der Mann zieht ihn schnell weiter. Der Wald ist in unmittelbarer Nähe. Es ist feucht, vor wenigen Minuten hat es noch etwas geregnet. Die Bäume sind sehr grün und dicht, der Waldboden ist braun, feucht und an manchen Stellen mit leichtem Bewuchs versehen. Es riecht nach Erde und Gras. Der Hund zieht an der Leine, er hatte beim Passieren der Sperrfosten ausnahmsweise die Seite genommen, an der der man mit der Leine vorbeigehen kann. Sonst nahm er immer die Seite, an der man ihn wieder zurückziehen muss, weil der Arm nur durch das Loslassen der Leine nicht hängen bleibt.
Der Mann zieht den Hund zu sich und löst den Karabinerhaken. Der Hund ist sehr aufgeregt und stürzt sich sofort zu einem niedrigen Busch um zu markieren.
Der am Waldsaum nur noch mit Schotter bedeckte Weg biegt um die Ecke durch einen hohen Pappelbestand. Der Hund läuft voraus. Der Mann ruft ihn zu sich. Der Hund kommt zurück, rennt auf den Mann zu, wedelt und macht wieder kehrt um in schnellem Schritt dem Weg erneut zu folgen. Der Mann folgt dem Hund. hinter den Pappeln, die leicht im Wind rauschen liegt in einer Lichtung ein Wasser, der Waldteich. Der Mann sieht den Hund nicht mehr. Doch durch das Laub der Bäume hindurch sieht er auf der anderen Seite des Teiches eine Person stehen, sie leuchtet weiß. Der Mann beschleunigt seinen Schritt noch etwas und durchquert die Pappeln. Er sieht nun den ganzen Teich. Der Hund steht auf der anderen Seite bei einer Frau, die einen weißem Trenchcoat trägt. Vor ihr steht der Hund und ein schwarzer Pudel. Die Frau hebt einen Stock vom Boden auf und wirft ihn in das Wasser. Der Hund springt hinterher und schwimmt auf die Stelle zu, welche beim Auftreffen des Stocks auf die Wasseroberfläche, kleine Wellen verursacht hat. Er schnauft laut. Der schwarze Pudel steht am leicht erhöhten Ufer und bellt, die Szene überblickend, das Wasser an.
Der Mann erreicht die Frau und begrüßt sie mit einem „Hallo“. Sie schaut ihn an und sagt „Guten Tag“. Der Pudel bellt weiter heftig das Wasser an. Der Hund hat den im Wasser schwimmenden Stock erreicht und greift ihn mit der Schnauze. Er schnauft noch lauter und schwimmt mit dem Stock zurück. tropfnass steigt er aus dem Wasser und läuft auf den Mann zu, bleibt vor ihm stehen, lässt den Stock fallen und schüttelt sich energisch.
Die Frau lacht. Ihr Trenchcoat ist mit dunklen Wasserflecken übersät. Der Pudel bellt noch immer, die Frau sagt: „Du alter Angeber, du bist doch ein Feigling“.
Der Mann lacht. Er schaut die Frau an, dann den Hund und nimmt ihn an die Leine, dieser schüttelt sich nochmals, aber nur noch in einer zittrigen Bewegung, welche sein Hinterteil tänzeln lässt. Der Mann geht Richtung Weg und sagt laut mit Blick auf die Frau: „Auf Wiedersehen“.
Sie lächelt und dreht sich zum Pudel, der Anstalten macht dem Mann zu folgen und hält ihn am Halsband fest. Sie sagt ihm etwas ins Ohr und lacht erneut. Der Mann kennt einen großen schwarzen Pudel in der Gegend. Der heißt Ivan. Er hat ihn schon häufiger mit einem etwa 12 Jahre alten Mädchen im Wald gesehen. Dieser Pudel sieht genauso aus, wie der Pudel der Frau. Auch sein Hund scheint ihn erkannt zu haben, sonst hätte er sicher aggressiv gebrummt, schließlich ist der Pudel ein Rüde und sein Hund mag zudem keine schwarzen Hunde. Der Mann dreht sich zum Hund, geht mit ihm von der Lichtung in den Wald. Um ihn herum sind nun Birken mit Fichten durchmischt. Der Hund zieht an der Leine, der Mann greift nach dem Halsband und löst den Karabinerhaken. Durch die Bäume sieht er beim zurückblicken noch etwas weiß vom Mantel der Frau. Aus einem Busch fliegt eine Amsel tief über dem Weg und verschwindet mit lauten Rufen in einem anderen Gebüsch.
Der Hund rennt wedelnd vor und schnüffelt mal hier und mal da am Wegesrand. Sein Fell wirkt, weil es nass ist, dunkel. Die Sonne steht hinter den Bäumen, durch die Birken scheint sie bis auf den Waldboden. Es ist diesig. Der Mann geht weiter und ruft den Hund, der an einer Weggabelung nach rechts läuft, der Mann will aber nach links, sie überqueren einen Sandweg, auf dem Pferdeäpfel liegen. Der Hund schnüffelt an ihnen, der Mann ruft: „Pfui!“ Der Hunde schaut den Mann an und läuft den Weg schnell weiter. Der Wald besteht nun aus Eichen und Ahorn. Die Sonne kommt nicht mehr bis zum Waldboden. Nach ca. einem Kilometer erreichen sie eine Lichtung, schon von weitem ist das hellere Tageslicht zu sehen. Auf der Lichtung ist ein Fußballplatz, umgeben von einer roten Tartanbahn. Der Platz ist von einem mannshohen Zaun umgeben, an dem Wicken entlangranken, die schon wieder im Absterben begriffen sind, ihre Blätter sind überall gelb, aber es gibt noch reichlich weiße große Blüten, die makellos sind.
Der Hund rennt am Zaun entlang, der Mann schaut auf den Fußballplatz, er ist völlig leer, der nasse Boden dampft ein wenig, es ist jetzt sehr schwül. Der Hund hat einen Abfalleimer an einer Ecke des Spielfeldes erreicht, wo sich auch ein Tor im Zaun befindet, vor dem Eimer, der auf halber Höhe an einem Metallpfosten hängt, liegt eine transparente Mülltüte, in der ein undefinierbarere Inhalt, etwa so groß wie eine Honigmelone, eingewickelt ist. Der Hund beschnüffelt die Tüte und zerrt an ihr. Der Mann ruft ihn laut und rennt in seine Richtung, der Hund schaut erstaunt auf und wartet, bis der Mann ihn erreicht. Der Mann nimmt die Tüte und wirft sie in den Abfalleimer und tätschelt dem Hund am Hals. „Brav gemacht.., das ist pfui…“, sagt er beruhigend zum Hund, der nun wieder anfängt zu wedeln.
Sie biegen nun am Zaun scharf nach links ab und folgen dem Verlauf der Tartanbahn noch eine Weile, die Wolkendecke zieht sich weiter zu und an der nächsten Platzecke biegt der Hund, einer Wegabzweigung folgend, vom Sportplatz weg in den Wald ab, der Mann folgt.
Der Weg wird schmaler und geht über Baumstümpfe, an einigen Stellen sind große Pfützen. Der Hund läuft mitten hindurch und schlabbert etwas vom Wasser, der Mann, umrundet sie indem er durch die wegsäumenden Brennnesseln geht, er hebt dabei die Hände, damit seine Arme die Nesseln nicht berühren. Der Hund bleibt kurz stehen und dreht sich um, um auf den Mann zu warten, der wegen der Pflanzen und Pfützen etwas zurückgefallen ist. Weit entfernt ertönt ein Schuss, dann ein zweiter. Der Hund spitzt die Ohren und verharrt kurz wie angewurzelt. Gemeinsam überqueren sie nach einiger Zeit erneut die Sandpiste für Pferde und kommen wieder in das Waldstück mit den Birken und Fichten. Die Luft ist schwer von Feuchtigkeit. Es beginnt leicht zu regnen, die Tropfen sind wie warmes Wasser auf der Haut. Der Hund hat seinen Schritt etwas verlangsamt, sein Interesse für den Wald hat nachgelassen, seitdem sie auf dem Rückweg den gleichen Weg wie auf dem Hinweg eingeschlagen haben. Der Mann bemerkt das Desinteresse des Hundes und biegt plötzlich vom Weg ab, direkt in ein Birkendickicht. Der Hund folgt nun wieder aufgeregt. Der Boden ist unwegsam, es gibt viele Brombeersträucher, die noch sehr klein sind und deshalb wie Fallstricke ihre Ranken über den Boden führen, zwischendurch sieht man kleine gelbe Pilze, die auf vermoderten Holzstücken siedeln. Der Hund stöbert in einer grasigen Fläche eine Ringeltaube auf, die mit raschelnden und schwirrenden Geräuschen, leicht torkelnd aufbaumt und dann über die Wipfel einiger Fichten verschwindet.
Der Hund rennt vom Jagdfieber gepackt hinterher. Der Mann kann ihn schon nicht mehr sehen, er ruft ihn und folgt in seine Richtung. Bald findet er ihn vor einem Erdbau auf drei Beinen vorstehend, den Kopf zu Seite gedreht. Er ist völlig auf das Erdloch konzentriert und schaut den Mann bei seinem Erscheinen nur kurz an um gleich wieder in das dunkle Loch zu starren.
Der Mann lächelt und lässt seien Blick durch die Birkenstämme schweifen, hinter denen Pappeln deutlich höher und leicht im einsetzenden Regen rauschend, sich erheben.
Durch die Bäume erkennt er, dass vor ihnen der Waldteich liegt. Er will gerade in dessen Richtung gehen, als er innehält. Durch die Bäume kann er im Wasser etwas schwimmen sehen. Es ist ein Mensch mit dunklen Haaren, der untertaucht um dann wieder prustend aufzutauchen und den Kopf zu schütteln. Der Mann geht näher Richtung Wasser und erkennt, dass die Frau, die er vorhin mit dem schwarzen Pudel getroffen hat, genau in der Mitte des Teiches im Wasser schwimmt. Ihr dunkles Haar ist durchnässt ganz schwarz, ihre Schultern schauen aus dem Wasser und sind sehr weiß. Sie taucht erneut unter und zeigt dabei Teile ihres Rückens, ihres Hinterns und ihrer Beine, als sie beinahe kopfüber in das Wasser, was wie eine dunkle Flüssigkeit anmutete, hinabtaucht. Die Oberfläche tanzt von dem stärker werden Regen.
Der Mann starrt auf den Teich und zögert. Der Hund schaut weiterhin auf das Erdloch und beginnt nun den Eingang durch Scharren zu erweitern. Er knurrte dabei leicht. Der Mann schaute zu ihm hinüber und machte leise „Schschschsch…“ und hebt demonstrativ den Zeigefinger zum Mund.
Er hockt sich auf den Boden und späht aus der Deckung erneut zum Teich. Die Frau tauchte wieder auf. Sie streicht sich die Haare aus dem Gesicht und drückte sie hinter dem Kopf etwas aus. Dabei hält sie sich mit schwimmenden Bewegungen der Beine und der anderen Hand in einer fast stehenden Haltung im Wasser, ihre Brüste sind zeitweilig etwas zu sehen. Auch sie sind sehr weiß.
Der Hund hat begonnen sehr heftig an dem Erdloch zu graben und dabei fängt er an aufgeregt zu bellen, offenbar hat er die Witterung eines Tieres aufgenommen und versucht es nun freizulegen.
Die Frau im Wasser dreht den Kopf in seine Richtung und versucht etwas im Laub der Bäume auszumachen. Der Mann zögert, überlegt kurz, steht dann auf und geht forsch durch die Birken auf den Teich zu, ziemlich genau dorthin, wo er die Frau zuvor mit dem schwarzen Pudel, welcher wahrscheinlich Ivan heißt, getroffen hat. Der Pudel ist nicht zu sehen.
Sie sieht ihn auf das Wasser zukommen und streckt ihren nackten Arm aus, um zum Gruße zu winken. Dabei reckt sie ihre Brüste ganz aus dem Wasser, um dann wieder hinabzusinken und leicht hörbar hell zu lachen. Der Hund bellt im Hintergrund wie verrückt. Der Mann dreht sich um und ruft ihn energisch. Der Hund bellt weiter und winselte laut. Der Mann dreht sich um und sieht wie sich die Frau anschickt wieder Kopf voran unterzutauchen. Sie gibt einen juchzenden Laut von sich. Er dreht sich um und läuft durch die Bäume zurück zum Hund. Dieser hat sich in seinem Jagdfieber bereits bis zum Hals in den Bau vorgegraben und bellt in den Boden hinein. Der Mann fasst ihn am Halsband und zieht ihn mit aller Kraft aus dem Erdloch. Der Hund ist gänzlich verschmutzt, sein Sabber ist auf der gesamten Schnauze verteilt und die Erde hat sich mit dem Speichel zu einer Art Brei verbunden, seine Augen tränen sichtbar und auch an ihnen kleben Erdkrumen. Sein Fell ist voller Reste des Waldbodens. Er ist nun noch dunkler. Der Mann zieht den immer wieder zurückspringenden Hund energisch vom Bau weg und brüllt ihn an. Der Hund reagiert nur für Sekunden und springt dann wieder auf das Erdloch zu. Der Mann nimmt seine Leine und zerrt den Hund erneut vom Bau weg und befestigt das Halsband am Karabinerhaken. Der Hund jault und seine Winselgeräusche überschlagen sich, so dass sie wie das Quicken eines Schweines klingen. Er versucht nun, trotz der straffen Leine wieder zum Bau zu gelangen. Als energiegeladener Jagdhund hat er enorme Kräfte und zerrt den Mann erneut zum Erdloch. Dieser brüllt den Hund nun außer sich vor Erregung an und schlägt mit einem Ende der Leine auf sein Hinterteil ein. Nun unterbricht der Hund seine Raserei, wirft sich zu Boden, noch halb in der Erde steckend und versucht sich winselnd auf den Rücken zu drehen. Der Mann zerrte an der Leine und zieht den Hund über den aufgewühlten Waldboden vom Erdloch weg.
Da sieht er aus einem Augenwinkel, wie ein dunkler Vogel sehr schnell, fast wie ein Pfeil aus dem verbreiterten Erdbau herausgeschossen kommt, nicht größer als eine Taube und in ungeheuerlicher Geschwindigkeit verschwindet er dicht über dem Boden in Richtung des Teiches. Der Hund ist völlig verblüfft aufgesprungen und der Mann folgt mit den Augen dem dunklen Objekt und senkt seinen Blick dann auf die Oberfläche des Teiches. Auf der Wasseroberfläche tanzten die Regentropfen. Der Regen überlagerte jedes andere Geräusch. Der Mann zieht den Hund mit zum Teichufer und schaut gespannt auf die Wasseroberfläche. Er selbst ist nun sehr nass und der Regen läuft an seiner Nase entlang, so dass er sich mit der Hand über das Gesicht fahren muss, um die juckenden Tropfen zu beseitigen.
Der Hund steht eng an sein rechtes Bein geschmiegt mit eingeklemmtem Schwanz, hängenden Ohren und großen Augen. Der Mann starrt weiter auf das Wasser. Nichts passiert. Die Frau taucht nicht auf. Er zählt leise die Sekunden. Ungefähr nach der Zahl dreißig beginnt er um das Ufer zu laufen, der Hund immer eng an seinem Bein. Nichts regt sich. Er schaute abwechselnd auf den Teich und in den Walde. Nach einigen Minuten setzt er sich erschöpft auf den Stumpf einer abgesägten Pappel, der Hund steht angeleint in unmittelbarer Nähe und schaut vom Regen tropfnass in den Wald. Der Mann starrt wieder ins Wasser und überlegte krampfhaft. Er lässt die Leine los, steht auf und zieht seine Schuhe aus. Er stellte sie auf den Baumstumpf und watete langsam mit gespreizten Armen ins Wasser, der Boden im Teich ist glitschig und quillt zwischen den Zehen hoch. Er hat seine Hose hochgekrempelt. Der Hund steht am Ufer und schaut ihm zu.
Als das Wasser den Stoff seiner Hose zu durchnässen beginnt hält der Mann inne, drehte sich zum Hund um und schaut dann wieder aufs Wasser. Der Hund legt sich hin und bettet seinen Kopf auf die Vorderpfoten, der Speichel ist vom Regen weggespült, ein kleiner Rest hängt noch an den Lefzen. Der Mann bleibt bis an die Hüften im Wasser stehen.
Am Frühstückstisch neben Zuckerherzen als Dekohagel und einem „Happy birthday“ aus Schokolade, das Geschenk meiner Eltern, ein Gutschein für ein Schlafsofa nach eigener Wahl. Das wäre mein erstes Sofa, ich wollte so etwas nie, weil es mir zu sehr Ausdruck des Couchpotato-Daseins war, obwohl ich in meinem Atelier ein 60er Jahre 3er Sofa vom Sperrmüll habe und es sehr liebe. Gebrauchte Möbel haben Seele, unpathetisch.
Ich hatte nie Geld für Möbelgeschäfte, und wenn, dann habe ich es doch in Kunstmaterialien oder Reisen investiert.
Dieses Jahr fällt mein Geburtstag wieder einmal auf einen Freitag und ist somit der Unglückstag schlechthin. Freitag der dreizehnte.
Nun, das kann mir nichts anhaben, schließlich bin ich höchstwahrscheinlich auch an einem Freitag zur Welt gekommen.
Nach einer Innenminiskus OP Ende letzten Jahres kann ich nicht mehr Joggen und begnüge mich mit der Hoffnung auf keine weiteren OP's und der baldigen Möglichkeit wieder wandern gehen zu können. Der Eingriff scheint soweit ziemlich schief gelaufen zu sein, das will nur niemand zugeben. Ich habe deshalb die meisten Arztbesuche eingestellt. Mein neues Sportstudio ist gesundheitsorientiert und mutet mir schon nach wenigen Wochen wie ein Strafgefangenenlager an. So will ich meinen Körper definitiv nicht beweglich halten müssen, aber der Vertrag ist für ein Jahr bindend, also bis ich fast einundvierzig Jahre alt sein werde. Da ich durch meine Bewegungseinschränkung zu wenig verbrenne und trotzdem viel und zu gerne esse, versuche ich einer drohenden Verfettung mit Trennkost entgegenzutreten. Mein Partner beruhigt mich, ich bin nach Jahren des Singeldaseins in einer festen Beziehung und zweifle trotzdem daran, ob eine dauerhafte und enge Verbindung wirklich mein einziges Glück bedeuten kann. Meine vorzeitige Vergreisung demonstriere ich den im nahe liegenden Forst eingesperrten Wildschweinen beim Nordic Walking, mit aus Scham zum Boden gesenktem Kopf. Aber etwas anderes schaffen meine Gelenke derzeit nicht.
Das Walken zu Ostern war eine echte Belastungsprobe. Bei dem schönen Wetter hatte sich der sonst zwar nicht unbelebte, aber doch ruhige Wald in eine dicht bevölkerte und irgendwie nur zufällig baumstandene Freizeitinsel verwandelt. Auf jede Pflanze kam ein Sonnen- und Frischlufthungriger. Wild gestikulierende und schreiende Kinder vor den Wildgehegen, die mit Steinen nach den Wildschweinen und deren Frischligen warfen, welche laut kreischend als „die gestreiften Zwergschweine“ tituliert wurden. Was soll man auch sonst mit den Tieren machen.
Picknickveranstaltungen, die mit portablen Küchen zu echten Luxusdiners für Großfamilien wurden.
Vierzehnjährige , offenbar ziemlich pubertierend, in 100% igen Nylonsporthosen, die mit einem infernalisch laut Musik spielendem MP3 Handy in der Hand von Bank zu Bank joggten, um immer mal wieder eine ordentliche Zigarettenpause einlegen zu können und bei denen man sich wohltuende Kopfhörer zum endgültigen Ausschalten des Hörvermögens dringend herbeisehnte.
Und Achtjährige, die von ihren anscheinend nicht arbeitslosen Vätern ethanolbetriebene Kindermotorräder geschenkt bekommen hatten, welche man unbedingt auf Waldwegen bis zur geschätzten Höchstgeschwindigkeit von österlichen einhundertfünfundsechzig km/h mal so richtig ausfahren sollte.
Gut, ich bin trotzdem einfach weitergewalkt, bis die Knie richtig schön weh taten, dann noch mal schnell ins Einkaufscenter, jetzt Samstags bis 22 Uhr geöffnet und in einem Haufen Silberpapier-Schokoladenbruchbrei mit dem Einkaufswagen steckengeblieben. Wo sonst ein Süßigkeitenregal war, stand nun nur ein von Leere gähnendes Holzregal, dessen Seitenteile abgebrochen waren. Die auf dem Boden liegenden Reste hatte sich in den Rollen des Wagens verklebt. Aus einem quoll eine nougatfarbene Sauce.
Nach der Befreiung stürmte ich mit klebrig braunen Händen eine Etage höher vor das Frischeiregal. Augenscheinlich hatte sich dort ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nichts als zerborstene Resteier und platt gewalste Pakete auf dem Boden, die ineinander geschlagen worden waren. Meine klebrigen Hände suchten verzweifelt nach einem unbeschadeten Paket. Keine Chance. Eine in der nähe Konservendosen aufstapelnde Verkäuferin sollte mir bei der Suche nach frischer Hefe behilflich sein. „Schon lange nix mehr da“, war die freundlich geröchelte Antwort und ich begann zu akzeptrieren, dass Ostern mich anscheinend nicht wollte.
Man kann auch mit Trockenhefe backen und Eier hatte ich noch im Kühlschrank. Es kam zu einer unverdrossenen campanischen Ostertorte mit Reis-Zitronatfüllung und einem griechischen Osterbrot in Sesam.
Ansonsten verging Ostern dann wie im Fluge und derzeit bin ich schon wieder ganz wo anders.
Wie spricht man einen Galeristen souverän in einer Galerie an? Spricht man wohlwollend und Kennerschaft verratend über die ausgestellten Arbeiten, den wunderbaren Ausstellungsraum der Galerie, preist das Programm der letzten Monate und schafft es, das Gespräch auf sich zu lenken und völlig unprätentieus einfallen zu lassen: Ich bin auch Künstler? Haben Sie keine Vakanzen? Finden Sie nicht auch, dass ich bei den durchschnittlich fünf pro Tag bei ihnen aufschlagenden verkrachten Existenzen, die eine Austellungsmöglichkeit suchen, der eine bin, den sie immer wollten, der Parzival ihrer Galerie, der entgegen aller Annahmen das hat, was sie schon immer gesucht haben: den richtigen Ausdruck des Scheiterns, den Gral.
Nach vierzig Jahren, bin ich endlich für Sie ausgeschlüpft, als Held des Kunstmarktes.
Heureka, es ist ein Osterhase! „Nicki der weiße Hase“, meine Lieblingsmärchenplatte.
Der weiße Nicki macht sich auf, um den Wald der Osterhasen zu finden, denn schließlich gibt es nur bei ihnen, was er immer vermisst hat: Anerkennung von Gleichgesinnten. Die Märchenplatte ist derzeit leider im Keller verschollen, vielleicht hat meine Mutter sie auch weggeschmissen. Spurensuche ist angesagt.
Betrifft Anerkennung meiner Künstlerischen Abschlüsse an der Kunstakademie Düsseldorf als Staatsexamen 1 durch die dafür zuständige Prüfungsstelle des Bildungsministeriums Nordrhein-Westfahlen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei finden Sie folgende Dokumente:
1. Fotokopien Dossierverklaringen ( Abschlussbewertungen ) der Kunsthochschule Utrecht/NL
2. Fotokopie meines Zwischenprüfungszeugnisses von der Kunsthochschule Utrecht/NL
3. Fotokopien meiner Leistungsnachweise an der Kunstakademie Düsseldorf
4. Fotokopie meines Studienbuches an der Kunstakademie Düsseldorf
5. Studienordung zum künstlerischen Abschluss “Akademiebrief” an der Kunstakademie Düsseldorf
6. Fotokopien der von mir erworbenen “Scheine” an den Universitäten Köln und Tübingen in den Fachbereichen Politikwissenschaften,
deutsche Philologie und Romanistik
7. Fotokopie meines Zwischenprüfungszeugnisses im Fach “Deutsch” an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln
8. Ausstellungen/Ausbildung
Im Folgenden werde ich versuchen die Studieninhalte und das zeitliche Engagement während meines Kunststudiums zu umreißen, da die Angaben des Studienbuches und meiner Leistungsnachweise nur einen geringen Teil meiner Semesterwochenstunden darstellen.
Mit freundlichen Grüßen Hagen Rehborn
Zu 1./2.
Das Grundstudium an der Kunsthochschule Utrecht/NL umfaßt einen festen Stundenplan mit sowohl praktischen, als auch theoretischen Fächern und deren Kombination. Das Studium ist in Studienhalbjahre und Studienjahre unterteilt. Ich war insgesamt 1,5 Zeitjahre an der Hochschule in Utrecht. Wegen besonders guter Leistungen habe ich ein Studienjahr übersprungen und bin vom ersten Studienjahr direkt ins dritte Studienjahr gewechselt.
Stundenplan:
4 Wochenstunden Bildhauerrei, Praxis und Theorie.
Themen: Zylinder, Säule, Geometrie des Dreiecks, Quader, Raumvolumen, Licht auf der Plastik, Abstraktion von bekannten Ikonographien (z.B. Weihnachtsbaum).
- Formgebungsstudien in Gips, Ton und Styropor
- Übungen zu Raumvolumen und und Raumbezug
- Lehrgänge in den Bereichen, Holzschreinerei, Metallbau, Kunststoffverarbeitung
- Theoretische Erörterungen im Rahmen eines Colloquiums mit kunsthistorischen Aspekten zur Geschichte der Bildhauerei
> Zwei schriftliche und drei mündliche/praktische Prüfungen zu selbst erstellten Werkstücken innerhalb eines Jahres.
Abschlusspräsentation vor einer Kommission
4 Wochenstunden “onderzuekend Experiment” - Kunstbereich Installation und neue Darstellungsformen in Verbindung mit philosophischen und intertexturalen Themen.
Themen: Sprache in der Kunst, kunsttheoretische Bedeutung sprachbezogener Philosophie, wie z.B. bei Wittgenstein, Nationalität als künstlerische Identität, Psychoanalyse als kunstanalytische Lehre.
- Praktische Umsetzung gestellter Aufgaben unter Verwendung multidisziplinärer Techniken ( Bildhauerei, Foto, Video, Malerei, Spurensuche, Collage, Installation etc. )
- Theoretische Erörterungen im Rahmen eines Colloquiums mit kunsthistorischen Aspekten zur Geschichte der interdisziplinären
Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts
> Zwei schriftliche und drei mündliche/praktische Prüfungen zu selbst erstellten Werkstücken innerhalb eines Jahres.
Abschlusspräsentation vor einer Kommission
4 Wochenstunden Zeichnung
- 2 Stunden Aktzeichnen
- 2 Stunden freies Objektzeichnen
- Theoretische Erörterungen im Rahmen eines Colloquiums mit kunsthistorischen Aspekten zur Geschichte der Zeichnung
- eine praktische Prüfung im Rahmen eines Colloquiums. “Selbstbeschreibung des entstandenen zeichnerischen Werkes”
>Abschlusspräsentation vor einer Kommission
2 Wochenstunden Kunstgeschichte in Form von Bildbetrachtung zu den Epochen:
Antike, Mittelalter, Renaissance, Barock, Rockoko, Romantik, Klassik.
Malereigeschichte insbesondere für das 20. Jahrhundert: Symbolismus, Impressionismus, Kubismus, neue Sachlichkeit, Abstraktion, Informel, Tendenzen nach dem 2. Weltkrieg.
>Abschlussreferat nach Themenvorgabe ( “Die Linie im deutschen Informell nach 1952” ), schriftliche Prüfung zu Themenbereich Bildanalyse.
4 Wochenstunden Malerei als Werkbegleitung im Malersaal, einmal wöchentlich 1,5 stündiges Colloquium mit Erörterungen zu Technik und individueller Herangehensweise.
Drei Werkprüfungen als Präsentation vor der Klasse mit Beurteilung der Arbeitsstrategien und deren Umsetzung.
>Abschlusspräsentation der erstellten Arbeiten vor einer Kommission.
zu 3./4./5.
An der Kunstakademie Düsseldorf habe ich in der Klasse von Prof. Nan Hoover und der Klasse von Prof. Magdalena Jetelova studiert.
Im Rektoratssekretariat der Kunstakademie Düsseldorf sagte mir Frau Blablabla, dass es ein Formschreiben zum Aufwand des Studiums im Klassenzusammenhang geben würde, dieses müsse aber vom Klassenleiter unterschrieben werden. Frau Hoover ist unterdessen erimetiert und lebt anscheinend in Berlin, Frau Jetelova hat unterdessen eine Professur in München und lehrt nicht mehr in Düsseldorf. Ich habe keine realistische Möglichkeit eine der beiden zu kontaktieren, da schon seit Jahren kein Kontakt mehr vorliegt.
Stundenplan während des gesamten Studienzeitraumes Sommersemster 1993 bis Sommersemster 1996 an der Düsseldorfer Kunstakademie:
SS 1993, WS 1993/1994, SS 1994, WS 1994/95, SS 1995, WS 1995/96, SS 1996:
4 Wochenstunden Colloquium bei Prof. Nan Hoover, in dem sowohl künstlerische Arbeiten von Studenten gezeigt und unter philosophischen und kunsthistorischenn Aspekten besprochen wurden, als auch eingeladene Gastkünstler, die Ihre Arbeiten und ihre Arbeitsweisen vorstellten.
Die kontinuierliche Präsentation studentischer Arbeiten bestand sowohl aus einer theoretische Auseinandersetzung mit dem Werk, als auch der Betrachtung der Stringenz in der formalen und inhaltliche Präsentation.
Vergleichende Betrachtung in kunsthistorischer Hinsicht fand bei der Präsentation der unterschiedlichsten Medien aus den Bereichen Multimedia, Installation, Fotografie, Video, Malerei und Bildhauerei statt.
Die Präsentation der studentischen Arbeiten führte einmal jährlich zur Konzeption einer Klassenausstellung außerhalb der Akademie ( z.B. in den Räumen des Bilker Forums/Düsseldorf ) und zur Präsentation der Klassenarbeiten im Rahmen der alljährlichen Akademieausstellung “Rundgang”.
Bei der Präsentation von Gastkünstlern war das Einarbeiten in das Werk und dessen kunsthistorischer Bezüge obligatorische Vorraussetzung für die Teilnahme.
Im WS 1994/1995, SS 1995 und WS 1995/96 war ich außerdem studentische Hilfskraft/Tutor der Klasse Hoover.
In dieser Funktion musste ich die wöchentlichen Colloquien inhaltlich und konzeptuell vorbereiten.
> 4 Wochenstunden Organisationsaufwand, Erstellung von Begrüssungsmaterial, thematische Vorbereitung, Sichtung Archivmaterial, Diashow-Zusammenstellung, Literaturzusammenstellung für das wöchentliche Colloquium.
SS 1993, WS 1993/1994, SS 1994, SS 1995:
> 2 Wochenstunden offenes Colloquium Prof. Gerhard Merz.
Im Rahmen diese Colloquiums stellte Herr Prof. Merz interdisziplinäre Themenbereiche vor, welche sein eigenes Werk oder das eines anderen Künstlers betraf.
( z.B. “Neurophysiologie und Weltwahrnehmung”, “Erkenntnis und Wahrheit”, “Wort und Schrift als Weltkonzept” )
Das Colloquium bestand sowohl aus Vorträgen von Herrn Merz, als auch offenen Gesprächskreisen mit Studenten.
SS 1993, WS 1993/1994, SS 1994, WS 1994/95, SS 1995, WS 1995/96, SS 1996:
> 2 Wochenstunden Selbststudium in der Bibliothek der Kunstakademie Düsseldorf. Videoarchiv, Ausstellungskatalogarchiv der Kunstprofessoren der Akademie, historisches Quellenstudium der Geschichte der Kunstakademie und Ihrer Lehrer.
SS 1993, WS 1993/1994, SS 1994, WS 1994/95, SS 1995, WS 1995/96, SS 1996:
Durchschnittlich
> 12 Wochenstunden praktische Arbeit in den Werkstätten der Kunstakademie.
- Arbeiten in der Gipswerkstatt, der Keramikwerkstatt, der Holzwerkstatt, dem Fotolabor und dem Videodepartment
SS 1993:
> 4 Wochenstunden Video Grundkurs: Kamerabenutzung, Studiotechnik, analoger Zweimaschinenschnittplatz
Wintersemster 1993/94
> 4 Wochenstunden Video Grundkurs für Fortgeschritten: analoger Dreimaschinenplatz, Bin-Studioeinführung, Tontechnik
Sommersemster 1996
> 4 Wochenstunden AVID Schnittkurs Grundlagen
Wintersemster 1996/97
im Rahmen meiner Gasthörerschaft bei Prof. Paul Good/Philosophie
> 4 Wochenstunden AVID-Schnittkurs für Fortgeschrittene
Wintersemster 1994/95
> 4 Wochenstunden Fotolabor Grundkurs, s/w Entwicklung
Sommersemster 1995
> 4 Wochenstunden Fotolabor Kurs für Fortgeschrittene, Farbentwicklung
Auflistung der besuchten Lehrveranstaltungen an der Kunstakademie Düsseldorf aus den Fachbereichen: Kunstgeschichte, Soziologie, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Poetik:
SS 1996
Seminar Philosophie
- Antigone, “Klassiche Tragödie?” ( Kösters ): Referat ,mündliche Leistung > 2 Wochenstunden
Vorlesung Philosophie
- Meister Eckart: Vom Bildlosen beim Bildermachen ( Good ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Amerikanische Kunst: Von der heroischen Attitüde zur Inszenierung des Banalen ( Spies ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Die Wirklichkeit der Kunst ( Hofmann ) > 1 Wochenstunden
WS 1995/96
Hauptseminar Philosophie
- Ethik der sexuellen Differenz, “Die Selbstliebe” von Luz Irigaray ( Kösters ): Referat, schriftliche Arbeit, mündliche Leistung > 2 Wochenstunden
Hauptseminar
- I. Kant: “Kritik der reinen Vernunft” ( Jäger ): Referat, mündliche Leistung > 2 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Amerikanische Kunst ( Europäer im Exil - Die Schule von New York ) ( Spies ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Soziologie
- Von Alfred Schmela zu Susumu Yamamoto: Kunsthändler und Kunstmarkt im ausgehenden 20. Jahrhundert ( Thurn ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Pädagogik
- Erziehung und Menschenbild im 20. Jahrhundert ( Bilstein ) > 1,5 Wochenstunden
SS 1995
Hauptseminar Kunstgeschichte
- Übungen vor Originalen, Niccolo dell’ Abate als Zeichner ( Hofmann ): Referat > 2 Wochenstunden
Vorlesung Philosophie
- Wittgenstein und die Künste ( Good ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Psychologie
- Ein Bild und sein Schatten: Psychologische und ikonographische Studien zur Melancholie und Depression I ( Heubach ) > 1,5 Wochenstunden
WS 1994/95
Mittelseminar Kunstgeschichte
- Museumsgeschichte, “Sammulngshort zum Austellungort”, Museum am Ostwall, Dortmund ( Bartsch/Theissing ): Referat > 2 Wochenstunden
Mittelseminar Psychologie
- Übungen vor Projektionen Werke zeitgenössischer Kunst in psychologischer Hinsicht ( Heubach ), Referat, > 2 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Kunst der Renaissance in Italien ( Hofmann ) > 1 Wochenstunden
Vorlesung Philosophie
- Differenz sagen: Das Hauptthema der Gegenwartsphilosophie ( Good ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Pädagogik
- Menschen-Bilder: Sinn und Symbole ( Bilstein ) > 1,5 Wochenstunden
SS 1994
Hauptseminar Psychologie
- “Das Unbehagen in der Kultur”/Sigmund Freud, Lektüre ( Heubach ): schriftliche Arbeit > 2 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Amerikanische Kunst II, “von der Amerong Show bis zur Depression” ( Spies ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Philosophie
- Spinoza: Von der Macht der Affekte und von der Befreung durch Erkenntnis, Ethik III-V ( Good ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Poetik und künstlerische Ästhetik
- Experimentelle Ästethik und Erkenntnistheorie II ( Wiener ) > 2 Wochenstunden
WS 1993/94
Grundseminar Philosophie
- Heidegger: “Was heisst denken”: Referat, mündliche Leistung ( Jäger ) > 2 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Venizianische Kunst II ( Theissing ) >1 Wochenstunde
Vorlesung Philosophie
- Spinozas Philosophie des Ausrucks ( Good ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Pädagogik
- Geschichte der Kindheit ( Bilstein ) > 1,5 Wochenstunden
SS 1993
Proseminar Philosophie
- “Ich will Künstler werden”, Längeres Nachdenken über einen kurzen Satz ( Heubach ): Referat > 2 Wochenstunden
Grundseminar
Martin Heidegger: “Zur Sache des Denkens” ( Jäger ): Referat > 2 Wochenstunden
Vorlesung Kunstgeschichte
- Venizianische Kunst I ( Theissing ) >1 Wochenstunde
Vorlesung Philosophie
- Differenz Sagen: Sprachspiele L. Wittgensteins ( Good ) > 1,5 Wochenstunden
Vorlesung Soziologie:
- Der Kunsthändler: historische Ausformung eines Berufes ( Thurn ) > 1 Wochenstunde
zu 6./7.
Politikwissenschaften:
WS 1988/89
Grundseminar
- Einführung in die Politikwissenschaften/politische Theorie, “Bodin”: Hausarbeit > 2 Wochenstunden
WS 1989/90
Vorlesung
- Politische Systeme I, USA: Vorlesungsklausur > 2 Wochenstunden
Vorlesung
- Internationale Politik I: Vorlesungsklausur > 2 Wochenstunden
Vorlesung
Demokratietheorie: Vorlesungsklausur > 2 Wochenstunden
Romanistik:
WS 1989/90
Sprachkurs
- Intensivsprachkurs Spanisch: Klausur > 4 Wochenstunden
Grundkurs
- Literaturwissenschaften Spanisch: Klausur > 2 Wochenstunden
SS 1990
Grundkurs
- Sprachwissenschaften Spanisch: Klausur > 2 Wochenstunden
Diverse Vorlesungen im bereich alte und neuere Spanische Literatur, z.B. “Literatur der Conquista”, “Don Quichote”, “Fuegos de los Fuegos”, “Kurzgeschichten aus Mittelamerika”, “Die spanische Novelle”. ( Bei Bedarf können diese detailliert nachgereicht werden. )
Germanistik/Deutsche Philologie
WS 1988/89
Proseminar
- Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaften: Seminararbeit > 4 Wochenstunden
Proseminar
- Einführung in die ältere deutsche Sprache I: Klausur > 2 Wochenstunden
SS 1989
Proseminar
- Sprachwissenschaften I: Klausur > 2 Wochenstunden
WS 1989/90
Proseminar
- Sprachwissenschaften II: Klausur > 2 Wochenstunden
Proseminar
- neuere deutsche Literaturwissenschaft, “Karl Philipe Moritz”: Klausur > 2 Wochenstunden
SS 1990
Seminar
- Methodik der empirischen Sozialforschung I: Seminararbeit > 2 Wochenstunden
Proseminar
- Einführung in die ältere deutsche Sprache II: Klausur > 2 Wochenstunden
Hinzukommend: diverse Vorlesungen im Bereich neuere deutsche und ältere deutsche Literatur, z.B. “Mittelalterliche Stundenbücher”, “Mittelalterliche Flaggenkunde”, “Das Niebelungenlied”, “Gedichte des Expressionismus”, “Theaterstücke des Expressionismus” ( Zwischeprüfungshauptthema ), “Adalbert Stifter”, “Schulkanon der neueren deutschen Literatur”, “Die Blechtrommel”, “H. Böll”.
( Bei Bedarf könnten diese detailliert nachgereicht werden. )
Köln im Januar 2007
- to be continued -
Ich hatte zunächst ein wenig Bedenkzeit nötig, um dann festzustellen: man sollte Chancen nutzen, die sich so einfach ohne absehbare Wiederstände auftuen. Ich kümmerte mich also um Kopien meiner Studienabschlüsse und sendete diese mit meinem Lebenslauf und einem formlosen Anschreiben an die Bezirksregierung Düsseldorf. Der Eingang meiner Bitte um Anerkennung meiner Abschlüsse wurde recht schnell per E-Mail Bestätigt. Man teilte mir allerdings auch mit, dass die Bearbeitung sich noch in die Länge ziehen könne, da es derzeit eine ganze Menge gleicher Anfragen gäbe.
Nach sechs Monaten fragte ich per E-Mail erneut freundlich an und man erklärte mir, dass in meinem Fall keinerlei Dringlichkeit vorläge, da ich ja schließlich bisher keine Referendariatsstelle angestrebt hätte und es nur in einem solchen Falle zu einer „beschleunigten“ Bearbeitung kommen könne. Nach weiteren 6 Monaten wurde mir ein Fragebogen zugeschickt, in dem ich mein bereits formlos vor einem Jahr formuliertes Ansinnen nach einer Lehramtsbefähigung für Gesamtschulen und Gymnasien als Sonderfall im Mangelfach Kunst in NRW per Kreuzchen bestätigen musste und bitte einen Lebenslauf beilegen möge. Nach recht kurzer Zeit, (nicht mehr als zwei Wochen) teilte man mir mit, dass nun das Prüfungsamt Paderborn mit der Anerkennung meiner Abschlüsse betraut sei. Von da bekam ich dann auch recht schnell Post. Der verantwortliche Beamte teilte mir freundlich mit, dass er zur Beurteilung der Breite meines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf und der Kunsthochschule in Utrecht Belege benötige, die diese Breite meines Studiums belegen würden. Des weiteren benötige er einen Lebenslauf, welcher dokumentiere, was ich seit meinem Studium beruflich getan hätte. Nun, ich war, bin und werde wohl Künstler sein.
Nach kurzem Zögern und dem Abwägen des Aufwandes, begann ich meine alten Studienbelege, Studienbücher und Semiarscheine herauszusuchen. Glücklicherweise befand sich alles in einem Karton, so dass ich außerdem auch mein geisteswissenschaftliches Studium, welches ich vor der Erkenntnis „Ich will Künstler sein“ an mein Abitur und den nachfolgenden Zivildienst angeschlossen hatte, in seiner vollen Breite dokumentieren konnte. Ich stellte alle besuchten Seminare und Vorlesungen zusammen und fügte diesem mehrseitigen Dokument eine ziemliche Menge von Fotokopien der bestehenden Belege bei. Das Zusammentragen der notwendigen Informationen führte mich auch nach Düsseldorf, ein Ort an dem ich nie gewohnte habe, als ich noch seine Akademie besuchte, um nicht durch die sozialen Zwänge der Akademie-Peergroup als Persönlichkeit entwertet zu werden, den ich aber nun in jeder anderen Hinsicht als äußerst reizend und angenehm empfinde. Wo gibt es so viel Bürgerlichkeit gepaart mit so viel Kunstinteresse? Wo sind die Parks so sauber und die Geschäfte so üppig, bei vergleichsweise geringen Mieten? Wo gibt es so viel gutes Theater, aktuelle Ausstellungen und ernst zunehmende Oper auf eine derart geringe Einwohnerzahl? Jedenfalls nicht in Köln…, trotzdem lebe ich dort, wo das Mittelmaß alles erstickt und man sich darüber freuen würde, wenn die Stadtplanung der letzten 20 Jahre mit einem heiser gebrüllten „Alaaf“ in einem neuen, unnützen U-Bahnschacht mitsamt den dafür Verantwortlichen versinken würde…
Mit einem fröhlichen „Helau“ auf den Lippen und nach einem kurzen Verweilen in der Bibliothek der Kunstakademie Düsseldorf zwecks Zusammenstellung der tatsächlich besuchten Vorlesungen zwischen 1993 und 1996, lag es nahe, eine Ausstellung in der Landeshauptstadt zu besuchen und was lag da auch räumlich näher, als dem Mann im gelben Bademantel eine Aufwartung zu machen, dem „späten Picasso und seinen Frauenbildnissen“, dem sogenannten Malen gegen den unausweichlichen Tod.
Ich für meinen Teil finde es eher entwürdigend einen ältlichen, dickbäuchigen, mit schütterem Haar versehenen und sehr kleinen Mann, der alles in allem an einen grimmig dreinschauenden mediterranen Gastarbeiter in Deutschland erinnert und in Wirklichkeit der berühmteste Maler des 20igsten Jahrhunderts überhaupt sein soll, in Überlebensgröße, gekleidet in einen gelblichen Bademantel, abzubilden, um auf die Ausstellung seines Spätwerkes hinzuweisen. Aber wahrscheinlich auch nur, weil ich mir in der derzeitigen Situation nicht vorstellen kann überhaupt jemals in Überlebensgröße auf einem Museumsbau abgebildet zu sein... Sollte ich entgegen aller Unwahrscheinlichkeit zukünftig doch einmal an einer Museumsaußenfläche abgebildet werden, bitte, bitte nicht in einen meinen Bademantel gehüllt.... Jedoch, sollte ich wie Picasso dann breits verstorben sein und mich nicht mehr selbst wehren können, so wäre diese Geste einzig als späte Rache meiner Hinterbliebenen und Nachlassverwalter zu werten, was durchaus geradlinig auf die Gefühle der in dieser Ausstellung portraitierten und abgebildeten Zeitgenossinnen Picassos verweisen könnte…
Kennt man das Werk des „großen Spaniers“ einigermaßen, so ist man durchaus vorbereitet auf kräftige, gestische und teilweise recht schnell dahin gemalte, großformatige Bilder, bei denen von Zeit zur Zeit schon die Frage nach einer gewissen Nachlässigkeit und Willkür in der Machart auftreten könnte. Diese Art des „Malschwein seins“ zieht sich durch alle seine Schaffensphasen und kann somit als künstlerisches Erkennungsmerkmal dienen. Wer sonst hat sich so etwas auch schon mit Erfolg über einen so langen Zeitraum geleistet. Und wer schon einmal in Barcelona war und seine unsäglichen und allenfalls als ironisierenden Reflex auf das „Alles geht, wenn man sich durchgesetzt hat“ zu bewertenden Taubenbilder gesehen hat oder die angeblich berühmten Reflektionen zu Velasques ertragen musste, der sollte meinen er sei allem, was sich im Spätwerk entbergen könnte gewachsen. Auch wird man sich dann nicht über Frauenbildnisse im Stile der berühmten Portraits einer Dora Maar wundern und überhaupt damit rechnen auf eine Menge unverzeihlich sexistischer und frauenfeindlicher Werke zu stoßen, welche in der Kritik wundersamerweise stets als von der Liebe zu den Frauen beseelt beschrieben werden und somit immer unangreifbar für berechtigte Fragen zur Entwürdigung des weiblichen Geschlechts dastehen. Schließlich handelt es sich um Ikonen der modernen Malerei. Zeichnen sie das perspektivisch verzerrte Gesicht einer Frau im Halbprofil mit neben- oder übereinanderliegenden Augen auf einen Notitzblock, jeder Leie wird sofort an Picasso denken. Wahrscheinlich der größte Wiedererkennungsfaktor, den ein Künstler des 20igsten Jahrhunderts mit einer neuen Darstellungsweise des Menschen oder besser „der Frau“ erlangt hat.
Steht man schließlich in den Ausstellungsräumen der Kunstsammlung NRW, nun für die einfachen Gemüter nur noch K 20 genannt, so ist jegliches Vorbereitetsein reine Makulatur. Großformatige Frauenportaits, liegend, schwebend, sitzend, sich krampfend, stets in brachialischer Art starr, verzerrt, allenfalls dümmlich und verdutzt dreinschauend, deren Körper aussehen, wie mit dem Elektroschocker behandelt, steif auf dem Boden sich streckend, wie in einem unsensibel reduzierten Spasmus. Personen, die nebeneinander stehen, aber in keine wahrnehmbare körperliche Interaktion treten. Männer als Beiwerk, meist einfach neben den Dingen stehend, Bartträger, die irgendwie zu einer Party mit vielen nackten Frauen geladen haben, oder einfach mal in einem Harem vorbeischauen.
Frauen, Frauen, Frauen, wallende Haare, immer wieder weibliche Geschlechtsteile, die dem Betrachter zugewandt sind, gespreitzte Beine, als Selbstaussage einigermaßen überschaubar: das ist ein Geschlechtsteil, das ist eine Vagina. Die Erstarrung, die Statuenhaftigkeit überall. Dazu Rahmen, wie aus Côte d‘ Azur Villen der Sechziger Jahre. Bilder die in frühen Louis Defunès Filmen nur einem Zweck gedient hätten, Inneneinrichtung für versnobte Neureichenvillen abzugeben. Repräsentation einer Allegorie dessen, was man sich unter der modernen Malerei in einer bestimmten Gesellschaftsschicht so vorstellte, die Verbindung eines patrirchalischen Sexismus mit gestischer, pastoser und sehr flüchtiger Maltechnik. Bei den Druckgrafiken auf Papier, ähnliche Sujets, sensibler gelöst und trotzdem so schnell überschaubar, dass nur Ernüchterung bleiben kann.
Wer braucht Picassos Spätwerk? Bei zehn Euro Eintritt pro Person allenfalls das Museum selbst, die Ausstellung ist wie gehabt als Großevent geplant, es gibt Sonderkassenkontainer vor dem Haupteingang, Audioführer und Sonderprospekte, die schön viel Geld kosten.
Im letzten Raum der Sonderaustellung angekommen, weiß man, dass man etwas für sein Geld bekommen hat, jedenfalls quantitativ, die nicht enden wollende Flut von immer gleich mittelmäßigen Bildern erstreckt sich auch noch auf die Etage der ständigen Sammlung. Man glaubt es kaum, es kommt immer noch ein weiteres Kabinett voller Bilder, die nicht besser werden wollen. Interessant ist dann der Übergang in die ständige Sammlung. Gerhard Richter Bilder offenbaren sich geradezu als Erlösung. Klarheit und Abstraktion haben noch nie so punkten können, wie nach dieser Tortur durch den angestaubten Trieb eines alten, anscheinend ständig angegeilten Mannes. Plötzlich ist einem auf wundersame Weise klar, warum Malerei von Gerhard Richter so begehrt ist, wenn seine Bilder an der richtigen Stelle hängen, dann eröffnen sie geradezu Horizonte der Glückseligkeit.
Beim Verlassen der Kunstsammlung über den kleinen Kleeplatz kommt es dann zu einer echten Konfrontation mit der Realität. Bagger, die an dieser Stelle anscheinend die Baugrube für einen Erweiterungsanbau der Kunstsammlung ausheben, werden vom Lärm zweier Kettensägen übertönt, die in rasender Geschwindigkeit die noch recht jungen Keulenplatanen der Natursteinsitzplatzanlage niedermähen. Wieso müssen diese Bäume zur besten Verpflanzungszeit abgesägt werden, wo ein Umpflanzen denkbar einfach und sinnvoll gewesen wäre. Sehr wahrscheinlich hätten sogar Privatleute die Bäume gekauft und den Transport gerne bezahlt und oder Landschaftskünstler eine sinnvolle Verwendung dafür gefunden, die man sicherlich durch die Kunstsammlung hätte finanziell fördern können. Dazu gehört dann allerdings etwas Planung und ein Aufruf in der örtlichen Presse und Sensibilität für die wesentlichen Dinge. Sollte den Bauverantwortlichen im Jahre 2007 nicht langsam klar sein, dass öffentliche Räume und deren Bebauung, besonders das Konstruieren von Kunsträumen ganzheitlich angegangen werden muss. Wer würde es nicht als Wiederspruch empfinden, wenn man, um Kunst zeigen zu können, unnützerweise Bäume fällen lässt. Aber nein, schnell mal unumkehrbare Tatsachen schaffen, abgehackte Bäume sind eine endgültige Lösung, man befindet sich abrupt wieder in der Stimmungslage, in die man beim Betrachten zu vieler schlechter Picassos geraten war. Verstümmelung, Reduktion auf Unwesentliches, Unfruchtbarkeit trotz hoher Produktionsmengen. Vielleicht sollte ich ja doch von Zeit zur Zeit meinem kunstpädagogischen Bestrebungen nachgeben, falls das Prüfungsamt Paderborn irgendwann einmal meine grundsätzliche Lehrbefähigung in der Breite meines Studiums gefunden haben sollte.