
Freitag, 9. September 2011
roter vogel - grüner kermit

Freitag, 2. September 2011
deine schönen hände

deine schönen hände halten meinen hals
sie drücken mal feste, mal langsamer zu
ich verspüre das leichte bedürfnis zu röcheln
und mich von ihnen zu befreien
speichel quillt aus meinem mund
meine einkaufsliste ist verschwunden
und ich finde den verfluchten pfandbon nicht
deine herrenhände sind jetzt sanft
sie streicheln zärtlich meine schläfen
ich will sie immer dort
am ausschnitt meines hemd sind nasse flecken
ich denke an die rote ampel und den stau
der zu jeder tageszeiten vor meinem fenster steht
deine mädchenhände massieren meine brust
und streichen über meinen bauch
der zeigefinger bis in den nabel
mein becken schnellt nach vorn
und ich denke, wie erstaunlich es ist
dass ein Körper sich so unperfekt bewegen kann
deine geschenkehände tasten in meiner hose
zielsicher fassen sie zu und lassen wieder los
das spiel wurde jetzt erfunden
wenn mein blick auseinanderfällt
verzückt mein lächeln zu einer grimasse
es klingelt und ich kann nicht aufmachen gehen
deine hurenhände waschen sich
und alles andere mit wasser davon
damit es nicht so billig scheint wie es ist
ach wo bist du gewesen
gestern als die rosen blühten
und alles plötzlich so still war an diesem bett
deine warm riechenden rauhen hände
haben eine eigene seele
so wie kartoffeln auf dem warmen acker
legen wir sie aufeinander
mutmaßen wir von verwandtschaft
die eine lüge ist
© Hagen Rehborn 2011
Sonntag, 31. Juli 2011
Lilie dein

die gelbe Lilie stand in deiner Vase
und verströmt den Durft so süss und schwer
ich bemerkte sie wohl erst sehr spät
nahm mich deine Gegenwart doch ganz in ihren Bann
erst auf dem Bett gelegen, folgte ich dem Duft und sah sie an
ausgesucht für mich und unsere Stunde
leuchtend stand sie da, arrangiert mit Rittersporn so zart
war sie wie die blauen Wunderblumen welche
immer dann erblühen, wenn die Seelen voller Liebe sind
oh weh, wie hat mein Herz betört die ganze Nacht
kostbar wie eine Blüte, dein Körper sanft und glatt
unverletzlich liegst du da im klaren Licht des Morgens
dein Haar so schwarz in weissen Laken
wie dunkler Fleck verwoben in den gelben Samt
erwachst du, blickst mich an, zurückgenommen
zögernd und dann doch voller Triebe
blinzeln und dann wieder schliessen, um zu küssen
was sich nah an deinem Ohre flüsternd angeschmiegt
sie, die strahlte voller Duft und gelber Leuchterei
war beim nächsten Mal schon nicht mehr da
an ihrer Stelle stand ein Eukalyptuswald
unverwelklich, eisig grün fehlte ihm was
wohl zu sehen nur den beiden recht gelänge
wäre da die Vase keine andere
Vasen und dazu die Blüten bilden einen Pakt
kann die eine nur mitsamt der anderen
bleibt das Ende nur der einen abzusehen
verblühen wird die schönste Pracht
drum nehme als Symbol der Liebe nur die Vase
silbern um für neue Blüten stets bereit zu sein
sie kann nicht mit den Spülmaschinen
deshalb hast du dort auch keine mehr vor Ort
Silber kann man gern polieren
doch wenn die Spuren aller Blüten dunkle Stellen bilden
wird deine Vase der Lieben ein glänzender
und zugleich schwärzlich grauer Hort
© Hagen Rehborn 2011
Dienstag, 26. Juli 2011
jenseits von afrika

du kommst nicht in einem doppeldecker
sondern mit der bahn
dein ehemals dichtes haar wird schüttern
dein bart ist voll
und dein löwe ist ein dalmatiner
mit gelenkproblemen
dein mut reichte nicht
für afrika
deine farm liegt nicht zwischen bergen
sondern ist nur zwei zimmer gross
deine zuversicht ist wankelmütig
und nicht von dauer
du liebst dich selbst mehr als
alle anderen
und doch bist du alleine alles
was ich begehre
mein afrika ist ganz nah hier
in und bei dir
und wenn ich dereinst sterben werde,
dann komm bitte nicht zu meinem grab
© Hagen Rehborn 2011
Samstag, 21. Mai 2011
verarschen

das leben
kommt wie eine tram bahn
verspätet, manchmal nie, eine ewigkeit,
erzürnen allenthalben, dann wieder ganz à point
und wenn man den allgemeinen mittelwert nimmt
müsste alles ständig reibungslos verlaufen
und natürlich besser auch als früher sein
verarschen?
du kommst danach, du kommst zuvor
du kommst einfach nicht
du bist schon da und ich sehe dich nicht
warst du schon hier?
bin ich zu früh, war ich zu spät?
werde ich zur falschen zeit dort sein, die auch die richtige sein kann
greifen wir uns gegenseitig an den arsch!
ach nein, ich liebe es saignant
zumindest etwas englisch darfst du sein
das leben, die tram bahn
les oiseaux chantent comme les folles
lauter, lauter, bis ich deinen Mund in mir spüre
dein leben ist mir ansonsten
ganz egal
Sonntag, 15. Mai 2011
lasst uns die autisten lieben

lasst uns die autisten lieben
schauen wir in diese augen
wie eine innere beunruhigung
fixieren sie das nichts
schauen wir auf diese hände
flatternde flügel, die keine luft bewegen
regeln da, doch für uns unbekannt
schauen wir in ihre schränke
ihr ordungssinn ist ein versuch
und erinnern uns an die wohnungen der spiesser
dann trainieren wir neben diesem fetten mann, der unentwegt in sein handy redet, während er auf einem laufband gelangweilt und sinnlos dahin spaziert
wir können nicht weghören
die unangenehme breite, oberflächliche und dumme ausdrucksweise verärgert uns zusehends
wir versuchen stärker in unser trimm-dich rad zu treten, aber es gelingt uns nicht
wir können uns von seinem monolog nicht lösen
da stehen wir mit einem mal auf, gehen auf den mann zu und sagen: schau mal!
nehmen ihm das handy aus seiner Hand, ganz leicht, so verdutzt ist dieser
gehen rasch zum gekippten fenster und stecken es durch den geöffneten schlitz
wir hören das aufschlagen auf dem trottoire ganz leicht, die beschallung durch die studiomusik ist nicht sehr leise
da schauste, fette sau!
dieser schweigt, stürzt und fällt mit dumpfem krachen gegen das laufbandgestänge
da tut uns alles leid
doch mit den händen wedeln wollen wir nicht
Samstag, 16. April 2011
Kosmos

Kosmos
du sagst mir, dass es dir gut geht
ich sage dir, dass ich geil bin
du fragst danach, was ich gerade so mache
ich möchte wissen, was du gerade an hast
du erzählst mir von deinen Eltern
ich erzähle dir von meiner Schwester
wir wissen beide etwas über unsere Sternzeichen
die Erde dreht sich, der Mond scheint
die Sterne leuchten
das Universum ist unendlich
und meistens sehr kalt
wir können es nicht verstehen
nur wenn wir träumen
am Telefon - bis zur Erschöpfung
sag meinen Namen und ich sage deinen Namen
sag mir einen Scherz und ich gebe dir mein Lachen
ich flüstere etwas in den Hörer
du sagst, dass du mich nicht hören kannst
die Verbindung bricht ab
wir rufen uns gleichzeitig zurück
und bemerken es erst im Nachhinein
wenn du wieder hier bist, werden wir uns sehen
wenn wir einen geeigneten Treffpunkt gefunden haben
und wenn wir beide Zeit haben
die Angst ist gross, dass wir nur unsere Stimmen mögen
wir sind beunruhigt über unsere Grösse
wir sind beunruhigt über unser Gewicht
wir wissen beide, dass es schon am Anfang vorbei sein kann
"Schau mir in die Augen Kleiner", sagte der Kosmonaut
© Hagen Rehborn 2011
